Nach der Zahnbehandlung eine Belohnung?

Eigentlich ist ja der Anblick der schönen Zähne Lohn der Angst. Aber man kann sich zur Belohnung natürlich auch etwas schenken, einen Glitzerstein auf einem Zahn zum Beispiel. Ein Interview mit Angst-Expertin Karina, die beim Lächeln inzwischen einen kleinen Blinki zeigt.  

Karina, du hast einen kleinen Glitzerstein am Zahn, den du dir als Belohnung für überstandene Zahnarztbesuche geschenkt hast. Stimmt das so? Und magst du erzählen, warum Zahnarztbesuche für dich so schwer auszuhalten waren oder sind?

Karina: Ja das stimmt. Ich habe als Kind sehr viel durchmachen müssen, was Zahnarzt betrifft. Weisheitszähne rausoperieren, viele Zähne für die Zahnspange ziehen lassen und so weiter und so weiter. Damals wurde die Einspritzstelle der Betäubung nicht betäubt und daher taten die Spritzen immer sehr weh. Da für mich jede Spritze Horror ist, haben diese Erlebnisse all das verschlimmert. Die Angst vor den Spritzen sind für mich das allerschlimmste beim Zahnarztbesuch. Wenn ich keine Betäubung brauche, dann ist es für mich okay. Ich gehe zwar auch mit Angst hin, aber nicht mit Panik.

Zögerst du Zahnarztbesuche raus, bis die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind?

Karina: An dem wurzelbehandelten Zahn ging es. Ansonsten war ich in der Situation noch nicht. Nein. Also ich hatte bei dem abgebrochenen Zahn ja keine Schmerzen. Aber die Angst, dass er raus müsste, wenn ich noch länger warte, war dann so groß, dass ich hingegangen bin. Und ich hatte ehrlich gesagt die Hoffnung, dass keine Wurzelbehandlung nötig ist, da ich ja keine Schmerzen hatte.

Wie war das genau mit dem abgebrochenen Zahn?

Karina: Die ganze Geschichte mit dem Zahn beginnt eigentlich schon im Herbst 2015. Ich hatte damals gemerkt, dass dieser besagte Zahn irgendwie schmerzt. Beim Betrachten hab ich gesehen, dass an dem Zahn eine dunklere Stelle ist (es war im Zwischenraum zwischen zwei Backenzähnen). Schon damals hab ich mir gesagt, dass ich zum Zahnarzt muss. Aber die Angst hat mich davon abgehalten. Ich hab dann nur noch auf der rechten Seite gekaut und dadurch hatte ich auch keine Schmerzen. Nur manchmal, wenn sich etwas zwischen den beiden Zähnen verfangen hat. Aber sobald ich das entfernt hatte, war alles wieder gut. Das ging dann bis Frühjahr 2017 so weiter. Und irgendwann hat der Karies den Zahn soweit beschädigt, dass mir eben eine kleine Ecke abgebrochen ist. Da war mir klar, dass ich jetzt keine andere Wahl mehr habe als hinzugehen. Termin gemacht, voller Panik hingegangen, mein Mann war als Unterstützung dabei. Meine größte Angst war davor, was mir die Ärztin als Diagnose mitteilen wird. Auf dem Stuhl habe ich dann auch Tränen vergossen. Sie hat dann alle Zähne angeschaut und gemeint, dass es insgesamt für 12 Jahre ohne Zahnarztbesuch sehr gut aussieht. Und dass der Zahn wahrscheinlich nur eine Füllung braucht. Dann hab ich einen Termin für 3 Wochen später ausgemacht und diesen vor Angst abgesagt. Das ging immer so weiter, bis im Oktober noch ein weiteres Stück abgebrochen ist. Und da wusste ich, dass es nur schlimmer wird, je länger ich warte. Also all meinen Mut zusammen genommen und hingegangen. Und den Rest der Geschichte kennst du.

Genau. Als Belohnung bist du freiwillig noch mal hingegangen und hast ein Steinchen auf den Eckzahn machen lassen.

Karina: Ja also bei dem Termin wurde mir dann gesagt, dass der Zahn soweit abgebrochen ist, dass der Kanal frei liegt und deswegen müssen die Nerven raus. Das hab ich dann, aufgrund einer notwendigen Spritze, nur unter Lachgas geschafft. Danach stand noch ein Termin an, wo die Kanäle normal gespült wurden. Der Arzt meinte aber, da braucht man keine Betäubung mehr, weil der Zahn ja tot ist. Das hat mich schon etwas beruhigt. Angst war dennoch da. Die Behandlung war dann teilweise aber sehr unangenehm. Bei einem dritten Termin sollte dann nochmal desinfiziert werden und die abschließende Füllung gemacht werden. Ginge auch ohne Narkose, laut Arzt. Bei diesem Termin hatte ich dann größere Angst, da ich beim vorherigen Termin schon Schmerzen hatte. Er meinte dann aber, wenn ich den zweiten Termin geschafft habe, dann schaffe ich den dritten locker. Der war dann auch wirklich nicht mehr schlimm. Danach hatte ich dann noch einen Termin für die Zahnreinigung und danach war ich wirklich so froh. Die Zähne sahen wieder so toll aus, der ganze Zahnstein und Verfärbungen weg. Und als ich den Termin überstanden hatte, hab ich mich mit dem Stein belohnt und bin gestern nochmal freiwillig hin.

Tolle Geschichte, vielen Dank fürs Erzählen!

 

Foto: © Bildagentur PantherMedia  / Shebeko

Auschra

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