Mit Jin Shin Jyutsu Angst auflösen

Als Judith Sünner das letzte Mal beim Zahnarzt war, sollten drei Kronen entfernt werden. An zwei der Zähne sollte außerdem eine Wurzelbehandlung gemacht werden. Die Zahnärztin wollte nur betäuben, wenn unbedingt notwendig. „Mit dem Wissen über Jin Shin Jyutsu ließ ich mich darauf ein und begann meinen Zeigefinger zu halten“, beschreibt Sünner auf ihrer Homepage. Das macht mich neugierig. Was ist Jin Shin Jyutsu und wie wirkt das?

Frau Sünner, Sie bieten etwas mit dem Namen Jin Shin Jyutsu an und es soll zum Beispiel gegen Angst helfen, auf Ihrer Homepage steht auch etwas von Zahnarztangst. Ich habe ehrlich gesagt nicht die geringste Ahnung, worum es dabei geht…

Judith Sünner: Ich fange einfach mal damit an, wie ich zum Jin Shin Jyutsu gekommen bin. Meine erste Begegnung mit Jin Shin Jyutsu war vor 34 Jahren. Ich war damals noch sehr jung und hatte vor kurzem mein erstes Kind bekommen. Ehrlich gesagt war ich ziemlich verzweifelt, weil das Kind mich total beansprucht hat. Es schlief nie und wenn doch, dann nur an mir. Darauf war ich nicht vorbereitet. Eines Tages sah ich eine Frau auf der Straße, die einen kleinen Jungen an der Hand hatte und schwanger war. Sie ging in den gleichen Bio-Laden wie ich und ich traute mich einfach mal, sie anzusprechen. Sie lud mich zu sich nach Hause ein und da wurde mein Junge dann von ihrem Mann geströmt…

Halt, das verstehe ich nicht. Er wurde was?

Judith Sünner: Geströmt, so nennt man das Praktizieren von Jin Shin Jyutsu. Ich wurde dann auch geströmt, wusste nicht, was mir passierte, fand es aber einfach nur phantastisch. Es geht dabei um den Energiefluss. Wenn wir Symptome haben, dann ist das die Endstation einer Entwicklung, die mit Energieblockaden anfängt. Energetisch, psychisch – das sind die ersten Veränderungen.

Aha. Das heißt, Sie standen in einer fremden Wohnung und haben das Kind erst mal einem Mann übergeben, der – was genau – mit ihm getan hat?

Judith Sünner: Wir haben den Jungen hingelegt und der Mann hat ihn an bestimmten Stellen berührt. Heute weiß ich, dass es 26 Sicherheitsenergieschlösser gibt. Sie werden so genannt, weil an diesen Stellen Blockaden aufgelöst werden können.

Das sind also 26 Punkte, die bei allen Menschen an der gleichen Stelle liegen? Wie Meridiane oder Akupunkturpunkte?

Judith Sünner: Wir sprechen nicht von Punkten, die Schlösser sind eine räumliche Angelegenheit. Das Sicherheitsenergieschloss Nummer 1 sitzt zum Beispiel am Knie. Das ist eine Fläche, handtellergroß etwa und reicht auch räumlich nach innen. Mit diesem Schloss bringe ich alle Energie von oben nach unten.

Ich lege einfach mal meine rechte Hand auf das rechte Knie und schaue, was passiert.

Judith Sünner: Schön. Wenn Sie beide Hände frei haben, legen Sie am besten die rechte Hand auf die Innenfläche des linken Knies und die linke Hand auf das rechte Knie. Also, zurück zu meinem Kind, das geströmt wurde, damit die Energie wieder fließen kann. Es gibt Parallelen zu den Meridianen, vermutlich ist die Akupunktur aus diesem System entstanden. Die Energiebahnen kann man mit Autobahnen vergleichen. Wenn alles gut läuft, fließt der Verkehr beziehungsweise die Energie. Wenn etwas passiert, ein Unfall, dann staut sich alles, die Autos fahren ab und suchen sich eine neue Strecke, bis die überlastet ist und sich auch dort ein Stau aufbaut. So ist das auch mit den Energiebahnen. Man kann das auch mit einem Gartenschlauch vergleichen: Ich drehe den Hahn auf und stelle fest, dass kein Wasser herauskommt. Dann verfolge ich den Schlauch und sehe zum Beispiel, dass er an einer Stelle abgeknickt ist. Diesen Engstelle öffne ich und das Wasser schießt durch. So wirkt das Strömen auch.

Sie sagen, dass es so ist. Mir fällt es ehrlich gesagt schwer, das nachzuvollziehen. Wie überzeugen Sie mich?

Judith Sünner (lacht): Indem ich Sie behandle. Oder Ihnen sage, halten Sie mal da und da fest. Man kann das nur erfahren und merken.

„Man kann das nur
erfahren und merken“

Was sagen Sie einem Patienten, der zum Zahnarzt muss, aber eine Wahnsinnsangst vor der Behandlung hat und schlotternd zu Hause sitzt?

Judith Sünner: Er soll sich den Zeigefinger halten.

Wie?

Judith Sünner: Allen Fingern sind so genannte negative Einstellungen und Organe zugeordnet. Da hängt ein ganzes Universum dran. Dem Zeigefinger ist die Angst zugeordnet und als Organe Blase und Nieren. Der Volksmund sagt, man macht sich vor Angst in die Hose. Da öffnet sich ein Universum. Können Sie mir folgen?

Ehrlich gesagt nicht. Diese Sprüche kenne ich natürlich auch.

Judith Sünner: Der Mittelfinger, den wir auch Stinkefinger nennen, ist der Wut zugeordnet, dem Ärger. Die zugehörigen Organe sind Leber und Galle. Mir ist etwas über die Leber gelaufen – verstehen Sie? Gallensteine sind ein Zeichen unterdrückter Wut.

Shit, ich habe einen kleinen Gallenpolypen. Ist das auch unterdrückte Wut? Ich kann allerdings echte Wutanfälle bekommen.

Judith Sünner: Dann drücken Sie Ihre Wut aus, wunderbar. Aber auf Dauer ist das auch eine Strapaze für Sie selbst und auch für Ihre Mitmenschen.

„Mit der rechten
Hand den linken
Zeigefinger umschließen“

Vielleicht. Aber zurück zu dem Menschen, der voller Angst zu Hause sitzt und sich nicht zum Zahnarzt traut. Wie soll der seinen Zeigefinger halten?

Judith Sünner: Es bezieht sich alles auf beide Seiten. Der Klassiker ist, mit der rechten Hand den linken Zeigefinger zu umschließen oder mit der linken Hand den rechten.

Und davon wird man ruhiger?

Judith Sünner: Da passiert ganz viel. Das ist ja ein Universum, was diesem Finger zugeordnet ist. Ich hole mal weiter aus. Bei Angst spannen sich die Muskeln an, das manifestiert sich oft im Rücken. Das alles kann ich mit dem Umfassen des Zeigefingers beeinflussen. Der wirkt auf Blase und Niere, auf die Körperflüssigkeiten, die entspannten Muskeln und darüber auf meinen Geist und meine Psyche.

Das kann ich gut nachvollziehen. Entspannte Muskeln sind wohltuend.

Judith Sünner: Gegen die Angst beim Zahnarzt würde ich also empfehlen, die ganze Zeit den Zeigefinger zu halten. Wenn der Mensch aber tiefer an das Thema herangehen will, würde ich ihm eine Behandlung empfehlen. Auf dem Behandlungstisch kümmere ich mich um verschiedene Strömungsmuster. Dabei werden Blockaden gelöst. Wir erleben das auf der körperlichen Ebene, aber die Wirkung findet auf allen Ebenen statt. Wut wird transformiert in Energie. Wenn Sie das nächste Mal merken, dass sich Wut anbahnt, dann halten Sie doch einfach mal den Mittelfinger und schauen Sie, was passiert.

„Die Ursache suchen“

Ich weiß nicht, ob ich in so einer Situation an meinen Mittelfinger denken möchte…(lacht)

Judith Sünner: Einfach ausprobieren. Das nächste, was ich diesen Menschen empfehlen würde, ist die Suche nach der Ursache. Sonst lernt man zwar, die Angst im Schach zu halten, aber man ist ihr immer noch ausgeliefert.

Sicher ist es besser, die Ursache zu bekämpfen, aber das ist vermutlich auch durch Jin Shin Jyutsu nicht immer erfolgreich.

Judith Sünner: Ich führe die Menschen im Gespräch dorthin. Durch meine Anstöße und einfach auch durch meine Einladung kommt die Erinnerung oft hoch. Das reicht schon.

Dann haben Sie es mit Patienten zu tun, die sich an hässliche Erlebnisse auf Zahnarztstühlen erinnern. Wie gehen Sie damit um?

Judith Sünner: Es geht Hand in Hand. Der Raum in meiner Praxis fühlt sich gut und schützend an, er ist einladend. Dann kommen Gespräche und Tipps, an die man sich erinnert. Das kombiniere ich immer mit Jin Shin Jyutsu, so dass auf allen Ebenen etwas in Gang kommt. Das Zeigefingerhalten hilft auf jeden Fall, die Behandlung anders zu erleben als vorher. Das muss man probieren, erleben. Wenn ich meinen Finger halte, stelle ich einen Energiekreislauf mit mir her. Wie wenn man einen Stromkreislauf schließt. Wenn ich eine Hand ans Knie lege, entsteht ein Energiekreislauf und – jetzt wird es vielleicht etwas abenteuerlich für Sie – es entsteht auch eine Verbindung zum kosmischen Ganzen. Es gibt einen kosmischen Rhythmus. Wenn wir Störungen haben, sind wir nicht im Einklang mit dem kosmischen Rhythmus. Wenn ich den Finger halte oder die Hand ans Knie lege, entsteht dieser Kreislauf in mir und gleichzeitig spüre ich die Andockung mit dem Universum.

Erklärung oder Glaubensfrage?

Das geht jetzt wirklich sehr weit weg von einer nachvollziehbaren Erklärung und hin zu einer Glaubensfrage.

Judith Sünner: Das glaube ich Ihnen. Darüber rede ich normalerweise ein ganzes Wochenende. Sie müssten sich vielleicht darauf einlassen, es selbst einmal auszuprobieren.

Ok, wenn ich das nächste Mal Angst verspüre, nehme ich meinen Zeigefinger in die Hand, versprochen!

Judith Sünner: Sie können es übrigens auch mit dem Daumen versuchen, der ist den Sorgen zugeordnet.

Auschra

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