Wie viele Arzneimittel täglich?

Vor einigen Tagen ist der Arzneiverordnungs-Report 2017 herausgekommen. Diese Buchreihe gibt es seit 1985. Wie der Name schon ahnen lässt, berichtet der Report Jahr für Jahr über Arzneimittel, die in Deutschland verordnet werden. Es geht vor allem um die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung, die ja bekanntlich Jahr für Jahr steigen. Warum und wie stark sie steigen, kann man in diesem Buch nachlesen. Außerdem werden neu zugelassene Arzneimittel vorgestellt und es gibt Artikel zu den verschiedenen Arzneimittelgruppen. Eigentlich also eine durchaus spannende Lektüre für mich.

Kostenfragen

Trotzdem werde ich jedes Mal mäkelig, wenn ich das Buch in die Hände nehme. Bei der Seitenzahl und dem großen Format brauche ich nämlich tatsächlich beide Hände zum Festhalten des Buches. Und leider handelt es sich um ein Taschenbuch mit immerhin knapp 900 Seiten. Ja, ein Hardcover wäre mir deutlich lieber. Die Kosten, klar.

Beim Blättern stoße ich überall auf Kostenfragen, auch beim Kapitel über Schmerzmittel. Hier bleibe ich hängen. Die Verordnung von Analgetika – von Schmerzmitteln also – hat sich in den letzten zehn Jahren sehr verändert. ASS und Paracetamol werden sehr viel weniger verordnet als früher, während Rezepte für Metamizol häufiger ausgestellt werden. Das ist kein Wunder. ASS und Paracetamol sind nicht rezeptpflichtig, dürfen vom Arzt deshalb nur in Ausnahmefällen verordnet werden. In der Apotheke kann man die Mittel „einfach“ kaufen, selbst bezahlen also. Metamizol dagegen ist verordnungspflichtig, in der Apotheke bekommt man es also nur mit Rezept vom Arzt. Dieses Schmerzmittel muss der Arzt verordnen, wenn es denn nötig ist. Das soll eigentlich einen Schutz für Patienten bewirken, Metamizol hat nämlich ein paar weniger schöne Nebenwirkungen.Trotzdem steigen die Verordnungszahlen: Jedenfalls wurden 2007 noch 87 Millionen Tagesdosen Metamizol verordnet, 2016 waren es dann 204 Millionen. Im gleichen Zeitraum sank die Verordnung von ASS von 39 auf 11 Millionen Tagesdosen. Ähnlich sah es bei Paracetamol aus, wo die Verordnungen von 22 auf 6 Millionen Tagesdosen sanken. Weichen Ärzte auf Metamizol aus, weil sie ASS und Paracetamol nicht mehr verordnen dürfen? Hm.

Alt, krank, Tabletten

Je älter, desto mehr Tabletten werden genommen. Krankenversicherte ab 65 Jahren machten 2016  22 Prozent der Versicherten aus, sie bekamen aber 55 Prozent der Tagesdosen von Medikamenten verordnet. Für jeden über 65-Jährigen sind das 3,9 Tagesdosen – jeden Tag. Ab 80 Jahren sind es dann durchschnittlich 4,6. Kein Wunder, dass alte Menschen als besonders gefährdet für Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten beschrieben werden.

Ein wenig Hoffnung setze ich in die Priscus-Liste. Eine Art Datenbank über Medikamente, die für ältere Menschen inadäquat sind. Auch auf Therapie-Alternativen wird hingewiesen. Allerdings richtet sich die Liste an Fachleute, entsprechend knapp sind Erklärungen und Abkürzungen. Aber immerhin: meiner Ansicht nach ein sinnvoller Lesestoff, nicht erst ab 65!

 

Schwabe/Paffrath/Ludwig/Klauber (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2017: Aktuelle Daten, Kosten, Trends und Kommentare; 2017; 870 S.; 100 Abb.; Softcover; 59,99 €; ISBN 978-3-662-54629-1; Springer-Verlag.

 

 

 

 

Auschra

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