Was wünschen sich Zahnärzte von Angstpatienten?

Diese Frage hatte ich in einer Facebook-Gruppe gestellt, in der sich vor allem Zahnärzte austauschen. Ich habe viele Antworten bekommen, die ich hier mal nach Themen und Standpunkten sortiert zusammengefasst habe.

1. Sagt schon am Telefon, dass ihr Angstpatienten seid!

Schon der Einstieg in die Beziehung zwischen Zahnarzt und Angstpatient scheint einigen Sprengstoff zu beinhalten. Zahnärzte planen für Angstpatienten vernünftigerweise mehr Zeit ein. Das können sie aber nur tun, wenn sie wissen, was Sache ist. Wunsch Nummer 1 der Zahnärzte heißt also: Liebe Angstpatienten, gebt euch bitte schon bei der ersten Kontaktaufnahme zu erkennen! Outet euch nicht erst in der Praxis oder auf dem Behandlungsstuhl! Zeigt eure Gefühle!

Wenn das Anrufen zu schwer fällt, kann man einen E-Mail-Kontakt herstellen oder einen Freund bitten anzurufen. Je genauer der Zahnarzt Bescheid weiß, wovor Herr X oder Frau Y Angst hat, desto besser kann er seine Behandlung darauf einstellen.

„Das Allerwichtigste ist , daß sie die Angst offen ansprechen, sodaß wir auch adäquat (also in kleinen Schritte und mit jederzeitiger Unterbrechungsmöglichkeit ) reagieren können. Schlimm finde ich , wenn Angstpatienten ( oder solche die sich dazu zählen…) ihre Angst hinter Agressivität verbergen…damit kommt besonders das Team nur schwer zurecht….“

Wenn erst auf dem Behandlungsstuhl deutlich wird, dass ein Patient nicht so einfach den Mund aufmachen kann, dann sind die Chancen auf unnötigen Stress für alle Beteiligten leider groß. Im Terminplan ist nur die übliche Durchschnittszeit vorgesehen, also gerät der Zahnarzt in Zeitnot – Stress! Das tut auch dem Angstpatienten nicht gut, der doch ganz besonders nach einem ausgeglichenen, beruhigenden Zahnarzt sucht!

Offenheit wünschen sich die Zahnärzte auch bei den Gesprächen zur Behandlungsplanung. Vielleicht will Herr X nur so viel Behandlung, dass die Schmerzen weg sind oder zumindest erträglicher. Und Frau Y möchte vielleicht lieber dranbleiben, bis das Gebiss komplett saniert ist. Zahnärzte wissen aus Erfahrung, dass viele Angstpatienten nur einmal kommen und lieber mit provisorischen Lösungen leben als mit regelmäßigen Behandlungsterminen. Natürlich finden sie es ärgerlich, wenn eine angefangene Arbeit nicht abgeschlossen werden kann, weil der Patient seinen zweiten Termin nicht wahrnimmt.

2. Haltet Termine ein oder sagt bitte ab!

Eine Zahnärztin beschreibt diesen Wunsch sehr klar. „Ich hab kein Problem mit Angst, oder wenn viel zu tun ist oder vielleicht auch das Geld nicht locker sitzt. Für alles gibt’s ne Lösung. Aber ich hasse es, wenn man sich dann Zeit nimmt und dann kurzfristig abgesagt wird oder der Patient einfach nicht erscheint.“

Das gilt nicht nur für die erste Sitzung, wo Bestandsaufnahme und Beratung geplant werden. Wie soll man mit der Situation umgehen? Eine Zahnärztin erklärt ihren Angstpatienten gleich zu Anfang, dass es mit einer Sitzung nicht getan ist. Sie bittet den Patienten, ruhig ehrlich zu sagen, „ob er sich mehrere Sitzungen vorstellen kann, ansonsten wäre eine Extraktion direkt eben sinnvoller als das Problem zu verschleppen.“ Sie kann damit leben, dass manche Patienten sich für das Zähneziehen entscheiden und die anderen zu mehreren Terminen kommen.

Klar, dass Zahnärzte verärgert sind, wenn eine angefangene Behandlung nicht weitergeführt wird. Dabei haben diese Zahnärzte nicht grundsätzlich eine kritische oder gar ablehnende Haltung gegenüber Angstpatienten. Einer schreibt zum Beispiel: „Gerade mit Termintreue sollte man bei Angstpatienten nicht rechnen. Das genau macht ja auch die Angst mit diesen Menschen.“ Ein anderer Zahnarzt drückt es so aus: „Zu hohe Erwartungen würde ich an Angstpatienten nicht stellen, wir sind ja die Profis, die sich auf sie einstellen sollten, nicht umgekehrt. Schön wäre aber Fairness (wenn jemand wirklich nicht die Kraft hat, seinen Termin wahrzunehmen, zumindest anrufen: „ich schaffe es heute nicht“). Dann weiß ich wenigstens, dass der Termin und meine Anstrengungen ernst genommen werden.“

3. Arbeitet bitte mit!

„Ich wünsche mir MITARBEIT, egal, ob es um Termintreue geht oder aber auch um „offen sein“ für Lösungsvorschläge , auch wenn es der Psychologe ist. Wir stehen im Telefonbuch zwar unter Z, wie Zauberer, sind es aber nicht. WIR können die Ängste nicht bekämpfen, nur Rücksicht nehmen, Der Patient muss die meiste Arbeit tun bzw. nicht erwarten, dass wir das Problem lösen.“

Zur Mitarbeit gehört auch eine gewisse Geduld: Angst, die teilweise über Jahrzehnte entstanden ist, verschwindet nicht von heute auf morgen. „Ja Geduld wäre auch wünschenswert! Alle Fälle sind irgendwie zu lösen und für jeden findet man die richtige Therapie… aber manchmal nicht von heute auf morgen.“

Niemand bestreitet, dass Angstpatienten ihre Gründe haben, warum es ihnen besonders schwer fällt, zu einem Zahnarzt zu gehen. Aber für die Zahnärzte ist es ziemlich frustrierend, wenn ein Patient den notwendigen Besuch so lange hinauszögert, bis fürchterliche Zahnschmerzen bestehen und Zähne nicht mehr zu retten sind.

Ein Dauerbrenner-Thema ist für die Zahnärzte die Qualität der Zahnpflege von Angstpatienten: „Ich wünsche mir, dass Angstpatienten nicht auch fast immer Angst vor der Zahnbürste haben (…) wer Angst vorm ZA hat, müsste seine Zähne täglich auf Hochglanz polieren…“ Oder so: „Ich wünschte mir, dass gerade der Angstpatient alles tun würde um mich fern zu halten. (…) Angstpat, die wirklich mitmachen, (…) werden schnell zum “normalen“ Patient und kommen mit einem Lächeln wieder“

4. Habt Verständnis für die Zahnärzte!

Eine Zahnärztin schreibt: „ach ja…und verständnis für uns, wäre auch toll!“ Man sollte nicht vergessen, dass es auch für einen Zahnarzt eine anstrengende und belastende Arbeit ist, mit einer geballten Ladung Zahnarztangst konfrontiert zu werden. Das ist Stress pur und wird von kaum einem Patienten wahrgenommen. Es gibt sehr engagierte Zahnärzte, die sogar nachts von Angstpatienten aufgesucht werden. „Wer mich im Notdienst aus dem Bett holt und dann noch eine besonders einfühlsame Behandlung wünscht, dem würde ich am liebsten sagen: ‚Das ist mein Job von Montag bis Freitag. Aber jetzt ist meine einzige Aufgabe die Notfallbehandlung’.“

Wobei sich das Verständnis zum Beispiel auch auf die unternehmerische Seite der Zahnarztpraxis bezieht: „wir können uns nicht für lau soooooo viel zeit nehmen, dann muss man auch bereit sein, den aufwand zu honorieren“

Ein Zahnarzt, der viele Angstpatienten erfolgreich behandelt hat, fasst es so zusammen: „… bisher konnten wir auch fast jedem helfen seine Angst zu besiegen, oder zumindest soweit zu reduzieren, dass eine Behandlung möglich ist. Dafür brauche ich aber Zeit und gerade in den ersten Terminen bestelle auch keine Patienten parallel ein, wenn dann ein Patient micht kommt ist das sehr ärgerlich und auch teuer. Und wer denkt wir reden über Peanuts, wenn jeden Tag nur ein Patient, der für 0,5 Stunden geplant nicht kommt, sind das bei einem Stundenkostensatz von 300,-€/h mal eben 33000,-€ im Jahr.“

Andere Zahnärzte wünschen sich, dass der hohe Behandlungsaufwand bei Angstpatienten honoriert wird. Einer schreibt zum Beispiel: „…wünsche ich mir, das Angstpatienten verstehen, dass eine Beratung zu solch einer Problematik aufgrund des Zeitbedarfs nicht zulasten der gesetzlichen Versicherung abgerechnet werden kann“.

Fazit

Sicher habt ihr oft schlechte Erfahrungen mit Zahnärzten gemacht. Und wahrscheinlich teilt ihr nicht alle Gedanken, die hier wiedergegeben sind. Aber mir war es wichtig, die Sicht der Zahnärzte und ihre Wünsche auch mal darzustellen.

Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

 

Auschra

One Comment

  1. Super das nun auch die Andere Seite beleuchtet wird. Und das sage ich als „ehemaliger“ Dentalphobiker

    Danke für diesen Beitrag

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