Was wirkt bei Kniearthrose?

Kniearthrose tut weh, das wissen nicht nur alte Leute. Ich schätze, vom Prinzip her beißen Menschen mit Kniearthrose die Zähne zusammen, nehmen Schmerzmittel und lassen das Knie irgendwann operieren. Deutsche Apotheken verkaufen übrigens jährlich Schmerztabletten für mehrere Hundert Millionen Euro. Die machen nicht nur schmerzfrei, sondern haben leider noch andere Folgen. Paracetamol greift die Leber an, was hoch dosiert tödlich enden kann. Ibuprofen kann ebenso wie Aspirin Magenblutungen verursachen. NSAR wie Diclo können Verdauungsbeschwerden, Wassereinlagerungen, hohen Blutdruck, Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit auslösen.

Klingt scheußlich, oder?

Sympathischer sind mir andere Ideen, zum Beispiel Yoga, Kohlwickel oder Avocados – auch dazu gibt es Studien, die allerdings wenig bekannt sind. In diesem Text geht es um eine chinesischen Studie ([1]): 20 Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren, alle hatten natürlich eine Kniearthrose, bekamen zwei Wochen lang zwei Massagen pro Woche. Nicht irgendwelche Streicheleinheiten, sondern es wurden vorher definierte Akupunkturpunkte gedrückt, außerdem wurden Muskeln und Bänder massiert.

Vor und nach Beendigung der Massage-Wochen wurden alles begutachtet und gemessen, was den Ärzten sinnvoll erschien: Die Schmerzstärke wurde erfragt und es wurde eine Ganganalyse durchgeführt. Das bedeutet, Schrittlänge, Gehgeschwindigkeit und Beweglichkeit wurden gemessen.

Die Ergebnisse zeigten statistisch signifikante Unterschiede der netteren Sorte. Zum Beispiel nahmen die Knieschmerzen ab, die Gelenke wurden beweglicher, die Patienten konnten sich deutlich schneller bewegen und machten längere Schritte.

Die Autoren schließen daraus, dass die chinesische Massage eine vorteilhafte ergänzende Behandlung ist und eine alternative Therapiemöglichkeit für Patienten mit Kniearthrose zur kurzfristigen Schmerzlinderung. Ja, chinesische Massage kann die Gehfähigkeit dieser Patienten verbessern.

Schön, oder?

Gut, die Studie ist mit nur 20 Patientinnen wieder einmal zu klein, um Schlüsse zu ziehen. Ich mache mich also auf die Suche nach weiteren Studien. Was es nicht alles gibt, wenn man Google und die medizinischen Datenbanken nach dem Stichwort „Kniearthrose“ durchsucht. In erster Linie stellen Ärzte operative Verfahren vor: Knorpeltherapie, Umstellungs-Osteotomien, Knorpeltransplantationen oder künstliche Kniegelenke. Dazu gibt es nach einer kurzen Durchsicht auch die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen. Und die haben große Teilnehmerzahlen! Bloß: Ist das der Plan? Muss man bei uns mit einer Kniearthrose Schmerzen aushalten oder Tabletten nehmen, bis das Knie eines Tages operiert wird?

Unzufrieden suche ich weiter und finde tatsächlich noch eine Studie ([2]), die mir gefällt: Hier bekamen 60 Kniearthrose-Patienten drei Wochen lang Thai-Massage oder Kräuterstempelmassage oder Ibuprofen (3x täglich 400mg). In den beiden Massage-Gruppen gab es drei Massagen pro Woche, die jeweils eine Stunde dauerten. Es wurden auch in dieser Studie vorgegebene Punkte behandelt, bei der Kräuterstempel-Massage die gleichen Punkte wie bei der Thai-Massage. Nur übte der Masseur mit den Kräuterstempeln keinen Druck aus, sondern setzte die heißen Kräutersäckchen (ähnlich großen ausgedrückten Teebeuteln) nur sanft auf. Ich kenne die meisten der enthaltenen Kräuter oder Wurzeln nicht (ok: Curcuma war mit dabei), daher führe ich sie hier nicht auf.

Zu Beginn und nach Beendigung der Studie gaben die Teilnehmer ihre Schmerzstärke auf einer Skala an. Ihre Beweglichkeit wurde gemessen und es wurde gestoppt, wie schnell sie zehn Treppenstufen überwinden konnten.

Die Resultate finde ich verblüffend. Vorab: In der Ibuprofen-Gruppe gaben zwei Patienten in der ersten Woche auf, weil sie Magen-Darm-Probleme hatten. Ansonsten besserten sich die Schmerzen in allen Gruppen und bei allen abgefragten Situationen (im Liegen, Gehen, Treppe steigen, nachts…) von Woche zu Woche vergleichbar gut. Die Gesamtschmerzen lagen anfangs bei einem Wert von rund 253 bis 260, nach drei Wochen lagen sie bei 61 bis 88. Die Kräuterstempel-Gruppe schnitt ein bisschen besser ab als die beiden anderen.

Unerwünschte Wirkungen gab es nur in der Ibuprofen-Gruppe. Wobei man als nette Nebenwirkungen der Massagen noch mit wohliger Entspannung rechnen darf…

 

 

 

[1] Qingguang Z et al.: Gait analysis of patients with knee osteoarthritis before and after Chinese massage treatment. J Tradit Chin Med. 2015 Aug;35(4):411-6.

[2] Teerapon Dhippayom, Chuenjid Kongkaew, Nathorn Chaiyakunapruk, Piyameth Dilokthornsakul, Rosarin Sruamsiri, Surasak Saokaew, Anchalee Chuthaputti: Clinical Effects of Thai Herbal Compress: A Systematic Review and Meta-Analysis. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, vol. 2015, pp. 1–14, 2015.

Auschra

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