Sodbrennen: Akupunktur schlägt Omeprazol!

 

Sodbrennen ist weit verbreitet, leider. Die Ursache ist manchmal einfach, dass zu viel gegessen oder getrunken wird. Oder zu viel und zu schnell. Darauf reagiert mancher Magen sauer und verstärkt die Produktion von Magensäure. Vielleicht hilft es schon, weniger zu essen und sich dabei Zeit zu lassen?

Schwieriger wird die Ursachenbekämpfung, wenn das Zwerchfell schwächelt. Dieses „Fell“ kann man sich wie eine Art Kuppel aus Bindegewebe, Muskeln und Sehnen vorstellen, das für eine Trennung von Brust- und Bauchraum sorgt. Die Speiseröhre ist ein Schwachpunkt in der Statik: Sie durchdringt das Zwerchfell. Mehr noch, sie nutzt den Druck der Kuppel aus, um den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen von außen zu stabilisieren. Dieser Muskel hat die wichtige Aufgabe, die Magensäure am Aufsteigen nach oben in die Speiseröhre zu hindern. Er sitzt normalerweise genau auf der Höhe des Zwerchfells. Aber Druck aus dem Bauchraum – die vielen großen Mahlzeiten – kann das Bindegewebe schwächen, sodass sich der Magen ein bisschen nach oben in Richtung Brustkorb schiebt. Damit verliert der Schließmuskel seine seitliche Zwerchfell-Unterstützung, der „Verschluss“ wird also schwächer! Sodbrennen ist häufig die Folge. Manchmal kann ein guter Osteopath helfen, die Organe vorsichtig wieder zu sortieren.

Wer Hilfe in der Apotheke sucht, kommt oft mit einem Säureblocker (der Wirkstoff heißt z.B. Omeprazol oder Pantoprazol) nach Hause. Diese Mittel sind einerseits sinnvoll, weil sie das Sodbrennen stoppen und so die Speiseröhre schützen. Sie haben allerdings ein paar Nachteile. Wikipedia zählt aus einem Waschzettel auf: „Gastrointestinale Störungen, Anstieg der Leberwerte, Hautreaktionen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Schwindel, Gelenkbeschwerden, Kopfschmerzen, Haarausfall, Seh-, Hör- und Geschmacksstörungen, Polyneuropathie. Außerdem kommt es unter der Therapie mit Omeprazol zu einer verminderten Verfügbarkeit des intrinsic-factors, welches wiederum zu einer unzureichenden Aufnahme von Vitamin B12 führt. Sehr selten, aber gefährlich sind Pankreatitis, Hepatitis, Blutbildveränderungen, Stevens-Johnson-Syndrom, Sehstörungen.“

Oh. Sympathischer wäre es also eigentlich, wenn man das Problem anders in den Griff bekommen könnte. Harmlos ist Sodbrennen nämlich nicht. Magensäure ist eine ätzende Flüssigkeit aus Salzsäure und Pepsin. Diese Flüssigkeit ist viel zu scharf für die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre. Wenn versehentlich Magensäure in die Speiseröhre steigt, spüren wir Sodbrennen, saures Aufstoßen oder auch Schmerzen hinter dem Brustbein. Dauerhaft verändert sich die Schleimhaut, Speiseröhrenkrebs droht.

Und jetzt gibt es doch tatsächlich eine kleine Studie*, in der Akupunktur wirksamer war als Omeprazol…

Genug der Vorrede – die Studie

Ehrlich gesagt: Man erkennt sofort die Mängel der Studie. Es nahmen erstens nur 60 Patienten teil und der Artikel ist zweitens auf Chinesisch geschrieben. Es gibt immerhin eine englische Zusammenfassung, in der die Studie samt Ergebnissen beschrieben werden – und die können sich sehen lassen!

Die 60 Patienten mit Refluxkrankheit, mit Sodbrennen also, wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Patienten der einen Gruppe bekamen acht Wochen lang täglich Akupunktur an vorher festgelegten Punkten. Interessanterweise nutzten die Akupunkteure mehrere Punkte an den Dornfortsätzen der Brustwirbelsäule. Dazu muss man wissen, dass diese Wirbel Nervenverbindungen zur Speiseröhre und zum Mageneingang haben. Wer mehr über diesen Zusammenhang wissen will, googelt am besten DERMATOM oder HEADSCHE ZONEN.

Die andere Gruppe erhielt Omeprazol-Kapseln (20mg), die ebenfalls acht Wochen lang zweimal täglich eingenommen werden sollten. Das ist auch in Europa eine übliche Dosierung bei Refluxkrankheit.

Die Stärke der Beschwerden wurde mit zwei standardisierten Fragebögen erfasst. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass in beiden Gruppen die Beschwerden deutlich (statistisch signifikant) zurückgegangen waren, unabhängig von der Wahl des Fragebogens. In der Omeprazol-Gruppe lagen sie nach Studienende bei 43,3% und 66,7%; in der Akupunktur-Gruppe bei 70,0% und 93,3%.

Kein Witz. Aber ob es jemanden interessiert?

*Gao LJ, Bai XH: Clinical Trial of Acupuncture Treatment of Gastro-esophageal Reflex Disease by Needling Dorsal Segment of the Governor Vessel. Zhen Ci Yan Jiu. 2016 Apr;41(2):150-3.

 

 

 

 

 

 

 

Auschra

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