Rücken-Op gescheitert. Und jetzt?

Anders gefragt: Was hilft bei Schmerzen nach der Rücken-Operation? Der Fachbegriff für diese Situation lautet „failed back surgery syndrome“ oder auch kurz FBSS, übersetzt also etwa „Syndrom der gescheiterten Rücken-Operation“. Bei einem FBSS kommt es nach einer Rücken-Operation, typischerweise nach einer Operation wegen Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose, zu anhaltenden Schmerzen im Rücken und/oder im Bein. Schuld sind Nerven, die unter Druck geraten sind. Die Ursache kann zum Beispiel eine Narbe sein, die auf die Nervenwurzel drückt. Mist, ja. Und jetzt?

Traditionelle koreanische Medizin

Neben der Einnahme von Schmerzmitteln gibt es bei FBSS noch die Möglichkeit einer epiduralen Rückenmarkstimulation – und es gibt eine nette kleine Studie ([1]) mit koreanischer Medizin. Durchgeführt wurde die Untersuchung an zwei Forschungszentren in Südkorea, die sich mit der wissenschaftlichen Erforschung der traditionellen koreanischen Medizin befassen. In Seoul, der Hauptstadt Südkoreas, liegt das Jaseng-Forschungszentrum, wo in erster Linie Forschungsarbeiten zur nicht-chirurgischen Therapie von Rückenschmerzen durchgeführt werden. Ein Blick auf die Homepage zeigt übrigens einen hoch professionellen Internetauftritt, der sich an Patienten aus der ganzen Welt richtet.

In die Studie wurden 120 Patienten einbezogen, die trotz Rücken-Operation weiter Schmerzen hatten oder die nach einer höchstens einjährigen Phase der Beschwerdefreiheit erneut Schmerzen bekommen hatten. Zu Anfang wurde die Intensität der Schmerzen auf einer Skala zum Ankreuzen von 1 bis 10 festgehalten. Dann wurden die Patienten 16 Wochen lang einmal wöchentlich mit Methoden der koreanischen Medizin behandelt. Sie bekamen individuell unterschiedliche Behandlungen mit Kräutern, Akupunktur, Elektroakupunktur, Pharmakopunktur, Bienengiftpunktur oder Chuna, eine Art Akupressurmassage. Nach Ende der Therapie, nach 24 Wochen und nach einem Jahr wurden die Schmerzpatienten untersucht.

Deutliche Besserung bei FBSS

Das Ergebnis ist nicht völlige Schmerzfreiheit, aber deutliche Besserungen. Die Rückenschmerzen lagen auf einer Skala von 1 bis 10 anfangs bei durchschnittlich 6,1 und gingen auf 2,9 zurück. Bei den Patienten mit Beinschmerzen veränderte sich der Schmerz von durchschnittlich 5,4 auf 2,4. Bei immerhin 80 Patienten (66,7%) sank die Schmerzintensität mindestens auf die Hälfte des Ausgangswertes. Auch die ursprüngliche Bewegungseinschränkung wurde besser, die mit üblichen wissenschaftlichen Fragebögen erfasste Lebensqualität verbesserte sich sehr deutlich. Diese Veränderungen waren auch nach einem Jahr noch vorhanden. Die Einnahme von Schmerzmitteln war deutlich zurückgegangen. Interessant finde ich auch, dass die Compliance während der 16 Wochen dauernden Therapie bei 88 Prozent lag.

Steigende Op-Zahlen bei uns…

Es gibt übrigens auch Untersuchungen zur erfolgreichen nicht-operativen Therapie mit traditioneller koreanischer Medizin. Zusammenfassungen kann man hier nachlesen. Die koreanischen Ärzte versuchen offenbar, Bandscheiben-Operationen möglichst zu vermeiden. Anders ist es bei uns: Im aktuellen Gesundheitsmonitor kann man die steigenden Operationszahlen nachlesen. Und dann wird nebenbei auch noch erklärt, dass die Bezahlung nach Fallpauschalen in deutschen Kliniken dazu führen könnte, dass Bandscheibenoperationen häufig – zu häufig? – durchgeführt werden. Lesenswert!

[1] Lee J, Shin JS, Lee YJ et al.: Long-Term Course of Failed Back Surgery Syndrome (FBSS) Patients Receiving Integrative Korean Medicine Treatment: A 1 Year Prospective Observational Multicenter Study. PLoS One. 2017 Jan 27;12(1):e0170972. doi: 10.1371/journal.pone.0170972. eCollection 2017.

 

Auschra

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