Ohrenmassage gegen Kurzsichtigkeit

Eine Kurzsichtigkeit (Myopie) kann man zwar nicht verhindern, aber – so die Überzeugung chinesischer Ärzte – man kann sie mit Hilfe von Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) erfolgreich behandeln. Vielleicht nicht vollständig, aber ein Stück weit.
Dazu muss man wissen, dass dieser Sehfehler in Asien deutlich häufiger auftritt als bei uns: Im Westen sind etwa 20% der Kinder kurzsichtig, in Asien rund 60%. Während bei uns üblicherweise eine Brille verordnet wird, gibt es in der TCM andere Behandlungsansätze. So werden zum Beispiel Akupunktur und Moxa häufig angewandt. Außerdem gibt es spezielle Massagen, mit denen die Durchblutung der Muskeln rund um das Auge gefördert wird. Und dann gibt es noch die Stimulierung von Ohrpunkten, die zu einem Rückgang der Sehbehinderung führen soll. Scharlatanerie, Quacksalbertum und sowieso Blödsinn? Nun ja. Ob das Unsinn ist oder tatsächlich funktioniert, wurde Ende 2014 in einer Studie ([1]) untersucht.

Dazu wurden 72 kurzsichtige Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt.

Die Kinder der Kontrollgruppe mussten jeden zweiten Tag einen Sehtest beim Augenarzt machen, ansonsten bekamen sie keine Therapie.

Die Kinder der Versuchsgruppe bekamen dagegen eine Art Ohrmassage: Ihnen wurden Pflaster mit kleinen Samenkörnchen  auf bestimmte Ohrpunkte geklebt. Die Samen stammen von der Kuhnelke (Vaccaria Samen), die verschiedene bioaktive Inhaltsstoffe besitzt: zum Beispiel Phenole, zyklische Peptide und Saponine. Durch Druck auf die Körnchen wird die Durchblutung an diesen Punkten gesteigert, gleichzeitig soll die Methode auch Schwellungen und Schmerzen verringern – und natürlich sollen über die Ohrpunkte die Meridiane stimuliert werden.

Diese Kinder gingen jeden zweiten Tag zur „Massage“ zum Augenarzt. Der drückte 10-15mal auf die Samen, bis es rot wurde und ein bisschen weh tat. Drei Behandlungszyklen von je einem Monat wurden durchgeführt.

Was für den westlichen Wissenschaftskopf nach ziemlichem Unsinn klingt, hatte Erfolg: Die Kinder in der Ohrmassage-Gruppe hatten nach den drei Monaten bessere Sehwerte als die anderen Kinder. Die genauen Werte erspare ich mir hier, man kann sie ja nachlesen. Wichtig ist aber, dass die Wissenschaftler einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen feststellten.

Wenn meine Tochter heute noch ein Schulkind wäre, sie würde garantiert mit diesen kleinen Pflastern auf den Ohren herumlaufen…

[1] Li Yachan, Zhang Ou, Liang Wenna, Li Candong: Effect of auricular pressing treatment on myopia in children. J Tradit Chin Med 2015 June 15; 35(3): 281-84.

	

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