Muss jeder Krebspatient joggen?

Ich bekenne mich mal dazu, dass ich nicht gerne jogge. Ich gehe gerne spazieren und mache anderen Sport, aber Laufen ist mir ein Graus. Das war früher schon so und ist mit den Jahren nicht besser geworden, ganz im Gegenteil. Wenn ich also Krebs hätte und irgendein kluger Arzt würde mir sagen, ich soll dem Krebs doch einfach davonlaufen – ich wäre not amused, sondern gestresst. Auch das noch! Aber der wirklich kluge Arzt würde wahrscheinlich auch auf andere Ideen kommen. Er könnte mir zum Beispiel Radtouren empfehlen, mir eine Yogalehrerin besorgen oder mich zum Klettern motivieren…

Bewegung gegen Krebs

Wer sich regelmäßig bewegt, hat ein niedrigeres Risiko für Krebs. Und wer Krebs hat, kann die Heilung durch Bewegung verbessern. So etwas hört und liest man jedenfalls immer häufiger. Manche Lebensgeschichten sind ja auch wirklich unglaublich. Zum Beispiel die von Harriette Thompson, die noch mit 94 Jahren Marathons läuft. Dabei hatte sie erst mit 76 überhaupt angefangen zu laufen. Auch durch Krankheiten wie Haut- und Rachenkrebs ließ sie sich nicht davon abhalten. Aber was beweist das schon?

Es gibt allgemeine Hinweise dafür, dass Sport zu selteneren Krebserkrankungen führt, etwa den: Körperliche Anstrengung hat einen entzündungshemmenden Einfluss und stärkt die Immunabwehr, so dass Krebszellen es schwerer haben zu überleben. Schön. Aber gilt das auch für Jogger, die diesen Sport hassen? Was ist mit denjenigen, die ich bei meinen Spaziergängen so gerne beobachte. Die sich mit hochrotem Kopf, X-Beinen und schwer atmend beim Laufen quälen?

Studien zur Frage „Sport und Krebs“

Ich würde wirklich gerne wissen, ob die Aussage „Sport hilft gegen Krebs“ tatsächlich durch Studien belegt ist. Google und die medizinischen Datenbanken sind voll mit Artikeln zum Thema. Die Studien beschäftigen sich meist mit einem sehr spezifischen Thema, zum Beispiel „Krafttraining bei Prostatakrebs“ oder „Yoga und Schlafqualität bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs“.Was ich lese, klingt nach Vorteilen für Krebspatienten durch einen aktiven Lebensstil. Aber kann man von diesen einzelnen Studien auf einen allgemeinen Nutzen von Sport gegen Krebs schließen?

Fündig werde ich zum Beispiel beim Krebsinformationsdienst und bei dem „Positionspapier: Sport (Bewegung) und (Darm-)Krebs“, das die Stiftung LebensBlicke auf Grundlage eines Workshops in Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Mannheim herausgegeben hat. Die Autoren zitieren mehrere Untersuchungen „Es ist unbestritten, dass körperliche Aktivität zentraler Bestandteil jeder effektiven Prävention ist“, schreibt die Stiftung und fordert mehr Präventionsangebote und öffentliche Aufklärung über den Nutzen von Sport und Bewegung.

Bücher über Sport gegen Krebs

Ok, schauen wir uns mal an, was für Bücher es zum Thema gibt. Der Rennradfahrer und ehemalige Krebspatient Lance Armstrong hat eins geschrieben: „Tour des Lebens“. Es wird hoch gelobt, trotz Doping. Und von dem Sportmediziner Prof. Martin Halle stammt das Buch „Lauf dem Krebs davon“. Zusammen mit der Sportwissenschaftlerin und onkologischen Übungsleiterin Anika Berling-Ernst hat er ein praxisnahes Buch verfasst, das Krebspatienten ihren Weg zum Joggen zeigen soll. Genauer gesagt: zur Aktivität. Auch Tanzen, Schwimmen, Radfahren Krafttraining, Koordinationstraining und sogar Entspannung gehören für die Autoren zur Aktivität gegen Krebs. Wobei natürlich nicht alle Aussagen für alle Krebsformen gelten. Das Buch stellt Darmkrebs, Brust- und Prostatakrebs etwas genauer dar.

Am stärksten finde ich die konkreten Hinweise für Krebspatienten: Darf ich trotz Port Sport machen? Wie viele Minuten Ausdauertraining sollten es anfangs sein? Was, wenn ich Knochenmetastasen habe? Und so weiter. Spezielle Trainingspläne helfen dabei, den Einstieg zu finden oder dran zu bleiben.

Ganz besonders hat mich gefreut, dass auch Massagen in dem Buch als wünschenswerte Aktivität gelten.

Auschra

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