Mit Kohl gegen Brustkrebs!

Kohlgewächse enthalten I3C: eine hoch interessante Substanz für Krebsforscher

Kohlköpfe gelten nicht als Schönheiten und auch die Substanz aus Kohlgemüse hat einen hässlichen Namen: I3C. Und sie ist hoch interessant für Krebsforscher, wie Ben L. Pfeifer in der Deutschen Zeitschrift für Onkologie ([1]) beschreibt. Der komplementärmedizinisch versierte Onkologe hat zusammen mit dem Biologen Theodor Fahrendorf die bisherigen Forschungsergebnisse zur Wirkung von I3C bei Brustkrebs zusammengetragen: I3C schützt zum Beispiel vor Brustkrebs, treibt Krebszellen in den Selbstmord, hemmt Metastasen, macht Chemotherapien wirksamer und verträglicher. Alles spricht dafür, sich diese Substanz genauer anzuschauen – auch wenn es bisher keine evidenzbasierten onkologischen Leitlinien dazu gibt.

Wie alles anfing…

Unsere Großmütter benutzten Kohlwickel gegen Gelenkbeschwerden. Zur Vorbereitung walzten sie die Kohlblätter mit einem Nudelholz. Heute weiß man, warum dieser Schritt so wichtig war: In unterschiedlichen Zellen – voneinander getrennt also – speichern die Blätter zwei Substanzen: das Enzym Myrosinase und Senfölglycoside. Das Nudelholz bricht die Zellen im Kohlblatt auf, sodass die Inhaltsstoffe freigesetzt werden und miteinander reagieren. Jetzt verwandelt das Enzym die Senfölglycoside in Glucose einerseits und in das antientzündlich wirkende Senföl andererseits. Das Senföl ist es, das Kohlwickel gegen Entzündungen wirksam werden lässt! Und in den Senfölglycosiden steckt noch mehr Potenzial.

Myrosinase findet sich nicht nur in der Pflanzenzelle, sondern auch im menschlichen Verdauungstrakt. Wird ein Stück Kohlblatt geschluckt, verändert die Magensäure den Stoffwechselprozess: Hier entsteht nicht Senföl, sondern Indol-3-carbinol (I3C). Beim Verdauen wird aus I3C dann schließlich das Diindolylmethan (DIM), welches aus zwei verbundenen Molekülen von I3C besteht.

Womit wir bei I3C und DIM angekommen wären, zwei Substanzen, die nicht nur im Kohlwickel wirken, sondern auch zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt werden können.

Krebsbekämpfung

Damit ein Tumor wachsen kann, muss er sich zuerst eine Art Infrastruktur zur Nährstoff-Versorgung aufbauen. Er braucht neue Blutgefäße! Deren Bildung regt er an, indem er Wachstumsfaktoren ausschüttet. Zusätzlich unterdrücken Krebszellen die Bildung von Proteinkinase G, die eine Art Schalter für die Stimulierung der Gefäßneubildung bedient. Fehlt Proteinkinase G, bleibt der Beta-Catenin-Schalter aktiv und neue Blutgefäße wachsen ungebremst. Hier zeigt sich eine weitere Angriffsstrategie von I3C und DIM: Sie hemmen die Neubildung von Gefäßen, indem sie die Ausschüttung von Wachstumshormonen reduzieren und einen verstärkten Abbau von Beta-Catenin stimulieren.

Ganz wie man es von gesunden Zellen her kennt, wächst auch ein Tumor, indem er seine Zellen teilt. Die Zellteilung verläuft in Zyklen, organisiert durch Regelkreise aus Proteinkinasen und deren Gegenspielern. I3C und DIM greifen an verschiedenen Ansatzpunkten in diese Regelkreise ein und hemmen so die Zellteilung. Einfacher ausgedrückt: Sie bringen den Zellzyklus durcheinander und stoßen im Idealfall den programmierten Zelltod an, den Selbstmord der Krebszelle.

Außerdem wirken sie auf die hormonelle Situation, die ja gerade bei Brustkrebs enorm wichtig ist. Und sie können eine Chemotherapie sinnvoll ergänzen. Aber dazu später mehr.

„Meiner Einschätzung nach sollte jede Chemotherapie für Brustkrebspatienten mit I3C kombiniert werden“, rät Pfeifer, „sonst verpassen wir Chancen für die Patientinnen“.

 

Literatur

[1] Pfeifer BL, Fahrendorf T: Indol-3-Carbinol – ein Glucosinolat-Derivat aus Kreuzblütler-Gemüsen. Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2015; 47: 20–27.

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