Mehr Weißwein, bitte!

Ich habe eine neue Leidenschaft: ich trinke gerne Weißwein. Keinen Rotwein, keinen Rosé und auch keinen Schnaps oder Likör. Weißwein! Und nein, meine Leberwerte sind ganz hervorragend. Trotzdem? Oder gerade deshalb? Ich habe mal neugierig medline befragt, ob es nicht auch Untersuchungen zur gesundheitsfördernden Wirkung von Weißwein gibt. Es gibt sie, ich bin fündig geworden und werde hier in Zukunft sicher mehr darüber berichten.

Ja, ich weiß, dass es viele Untersuchungen gibt, die sich mit den alkholbedingten Schäden befassen. Es wird stimmen, hängt aber hoffentlich mit der Dosis oder Qualität zusammen. Jedenfalls lasse ich diese Themen elegant links liegen und widme mich den interessanten Fragen.

Schützt Weißwein zum Beispiel vor Nierenkrankheiten? Ja, das tut er, wie eine italienische Studie belegt. Nierenspezialisten aus der Toskana (da gibt es doch nur Rotwein, oder?) nahmen sich die Wirkung von verschiedenen Weißwein-Inhaltsstoffen vor. Ihnen ging es vor allem um die Frage, wie Weißwein auf das Endothel der Blutgefäße wirkt, auf die innere Schicht der Gefäße also. Dazu muss man wissen, dass eine Endothelschädigung als zentraler Mechanismus für die Entstehung der Atherosklerose gilt. Gut für die Gesundheit müsste also alles sein, was das Endothel schützt.

Die Ärzte fingen mit Laboruntersuchungen an und stellten erfreulicherweise fest, dass Kaffeesäure dem Endothel gut tut. Kaffeesäure ist ein Phenol, das vor allem in Weißwein vorkommt. In Endothelzellen sorgte die Kaffeesäure dafür, dass sich mehr Stickoxid bildete. Im wirklichen Leben würde das eine Gefäßerweiterung auslösen.

Außerdem lerne ich nebenbei, dass in Weißwein auch Tyrosol und Hydroxytyrosol enthalten ist: zwei Phenole, die wir aus dem Olivenöl kennen und dort für gute Werke sorgen sollen.

Die Nierenärzte wollten wissen, ob die Schlussfolgerungen aus dem Labor auch für den menschlichen Körper gelten. Sie machten eine Studie mit schwer nierenkranken Patienten einerseits und gesunden Freiwilligen andererseits. Zuerst mussten alle zwei Wochen lang alkoholabstinent leben, dann wurden sie zufällig auf zwei Gruppen verteilt. In Phase 1 bekamen die Teilnehmer der ersten Gruppe zwei Wochen lang einfach so viel natives Olivenöl, wie sie normalerweise auch zu sich nahmen. In Gruppe 2 gab es die gleiche Anweisung, außerdem „mussten“ die Teilnehmer täglich 2-3 Gläser italienischen Weißwein trinken. Nach zwei Wochen Pause begann Phase 2, jetzt wurden die Aufgaben getauscht.
Bluttests ergaben, dass sich in der Weißweinphase zwei wichtige Entzündungswerte verändert hatten. Das CRP (C-reaktives Protein) und Interleukin 6 waren gesunken. Besonders ausgeprägt war das Sinken der Werte bei den Nierenpatienten, die krankheitbedingt zu Anfang höhere Entzündungswerte gehabt hatten.

Es macht also wirklich den Eindruck, dass Nierenkranke täglich ein paar Gläser Weißwein trinken und Salat mit viel gutem Olivenöl essen sollten, oder? Die Idee gefällt mir. Was Nierenkranken gut tut, wird mir sicher nicht schaden.

Prost!

 

Auschra

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