Männer, Frauen und dünnes Haar

Menschen kriegen im Alter Falten und dünnere Haare. Männer früher als Frauen. Manche leben damit, andere kämmen auch die letzten verbliebenen fünf Haare quer über den nackten Schädel oder lassen eine Haartransplantation machen. Angeblich ist mindestens jeder Zweite, egal ob Mann oder Frau, früher oder später von Haarausfall betroffen.

Wer ist Spezialist für Haarausfall?

Und was machen Frauen, wenn sie bemerken, dass ihnen mehr Haare ausfallen als bisher? Ganz sicher leiden Frauen unter einer Glatze, unter kreisrundem Haarausfall, einem höher steigenden Haaransatz oder lichtem Haar viel mehr als Männer.

Meine Haare sind ok. Aber wenn ich eine persönlichen Top-10-Liste gegen Haarausfall aufstellen müsste, dann würde das Weglassen von Störenfrieden ganz oben stehen. Haarfärbemittel, Dauerwellen und Haarsprays zum Beispiel. Ich habe zwar keine Ahnung, ob die tatsächlich zu Haarausfall führen, aber schon der Geruch in manchen Friseursalons ist so dermaßen ätzend – da kann man vermutlich froh sein, wenn einem nicht die Fingernägel abfallen.

Wenn der Friseur nicht mehr weiterhelfen kann, geht man vernünftigerweise erstmal zum Arzt, würde ich sagen. Es gibt tatsächlich Hautärzte, die sich auf die Haare spezialisiert haben. Und es gibt ja auch behandelbare Formen von Haarausfall. Zum Beispiel Schilddrüsenprobleme. Oder diese wunderbare Idee, die Kopfhaut von Brustkrebs-Patientinnen zu kühlen, damit ihre Haare nicht so massenhaft ausfallen.

Ein Buch über Haarausfall

Viele Betroffene suchen vermutlich nach einem Buch und finden zum Beispiel dieses: „Haarausfall ist heilbar!“ von Brigitte Hamann, erschienen 2017 im Kopp-Verlag. Ein Ratgeber, der dem Leser die Ursachen von Haarausfall „unter Berücksichtigung der aktuellen medizinischen Studien“ nahe bringen und für Abhilfe sorgen will. „Mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen“ steht auf dem Umschlag. Das klingt gut, das muss ich haben.

Einerseits ist die Idee mit den Studienergebnissen ja richtig und wichtig. Obwohl, andererseits, gibt es zu dem Thema überhaupt richtig ernsthafte Studien? Hat jemals ein Wissenschaftler untersucht, ob das tolle Weleda-Haaröl die Haare wirklich weicher macht? Oder ob die Haare wieder wachsen, wenn leere Vitaminspeicher gefüllt sind? Wer weiß denn schon, wie lange man Biotin, Selen oder Eisen nehmen muss, damit der Körper wieder genug davon hat? Trotzdem gefällt mir die Idee mit den Studienergebnissen.

Das Buch von Brigitte Hamann stellt diverse Ursachen für Haarausfall vor, wobei ihr Schwerpunkt bei der Übersäuerung liegt. Von verschlacktem Haarboden ist die Rede. Das ist Neuland für mich. Ob es dazu aktuelle medizinische Studien gibt? Leider hat die Autorin die Aussagen in ihrem Buch nur ausnahmsweise durch Hinweise auf Quellen belegt. Stattdessen findet man ein nach Themen aufgegliedertes Literaturverzeichnis mit Stichworten wie „Ernährung“, „Schadstoffe – Detox – Lebensmittelzusätze“ oder „Gutes für die Seele“.

Natürliche Therapie gegen Haarausfall

In der Übersicht zu natürlichen Therapiemethoden finden sich zum Beispiel Entsäuerungsmittel, Spurenelemente und Vitamine. Einerseits ist für mich sehr gut vorstellbar, dass ein Kopf die Haare abwirft, wenn ihm etwas fehlt. Man kann es nicht oft genug sagen: von Pizza und Pommes wird man zwar satt, aber die Versorgung mit Vitaminen und so geht anders. Andererseits: müsste man dann nicht zuerst zum Arzt oder in ein Labor gehen und nachprüfen, ob und was da fehlt? Man kann sich doch auch zu viel des Guten tun. Oder unnötigerweise Geld für die angeblich notwendigen Vitamine ausgeben.

Biotin zum Beispiel, das ist auch so eine Sache. Im Supermarkt findet man etliche Shampoos oder Spülungen, die Biotin enthalten. Tue ich damit also meinen Haaren endlich mal etwas Gutes? Weiß man nicht. Es gibt nämlich auch eine aktuelle Studie, die in einer dermatologisch-pharmazeutischen Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. Die Autoren sichteten alle wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema „Haarausfall und Biotin“. Leider fanden sie keine einzige Studie, die eine Biotin-Einnahme bei Haarausfall vernünftig erscheinen lässt.

Womit ich wieder beim Thema wäre: Gibt es zu naturheilkundlichen Fragestellungen überhaupt richtig ernsthafte Studien?

 

Auschra

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