Lärmschutz mit Honig

Nein, nicht in die Ohren damit, danke. Honig schützt (vielleicht) ganz anders vor Lärm. Und dass man einen Schutz braucht, weil Lärm tatsächlich krank macht, muss ich mir wohl ab und zu in Erinnerung rufen. Bisher war das für mich eine eher theoretische Erkenntnis. Klar, die Arbeit am Presslufthammer ist sicher nicht gesundheitsfördernd und wer im Konzert ganz nahe an den Boxen steht, hat gute Chancen, irgendwann Stammkunde beim HNO-Arzt zu werden. Aber merken wir überhaupt noch, wenn wir zu viel um die Ohren haben, wenn es uns zu laut ist?

Jeder sucht gerne Orte auf, an denen es schön still ist. Kirchen, in denen keine Orgel spielt und keine Glocken läuten. Bergtäler, in denen Traktoren, Laster oder Rasenmäher fehlen. Das Wattenmeer, wo noch nicht einmal das Rauschen der Wellen stört. Wir suchen Ruhe, weil Lärm uns nicht gut tut, auch wenn wir ihn nicht bemerken.

Jetzt habe ich eine Studie ([1]) gelesen, die mich doch ein bisschen verwundert hat. Iranische Wissenschaftler wollten an Ratten untersuchen, ob Honig gut gegen Hyperglykämien ist. Gegen einen durch Stress ausgelösten zu hohen Blutzuckerspiegel genauer gesagt, was bekanntlich kein Zeichen von blühender Gesundheit ist, sondern eher für die Entwicklung eines Diabetes. Sie benötigten für ihren Versuch also hyperglykämische Ratten. Um aus gesunden Tieren kranke Tiere zu machen, reichte ein Lautsprecher, der die Versuchstiere 60 Tage lang mit 90-120dB beschallte. Die Tiere hatten erhöhte Blutzuckerwerte, sie nahmen ab, obwohl sie genauso viel zu fressen bekamen wie die Vergleichsratten. Auch die Blutfettwerte veränderten sich durch den Lärm – und zwar nicht in Richtung Gesundheit.

Also noch mal. Lärm ist Stress und Stress macht krank. Das war eindeutig. Wenn die Tiere allerdings zusätzlich zum Lärm Honig bekamen, ging es ihnen deutlich besser. Die Blutzuckerspiegel in dieser Gruppe waren niedriger, sie hatten auch ein gesünderes Körpergewicht. Ob der Honig auch bei Menschen vor der Entwicklung von Stress-Symptomen sorgt? Ich weiß es nicht.

Zufällig bin ich sogar noch über eine zweite Untersuchung ([2]) gestoßen. Luftverschmutzung und Lärm treten an Straßen bekanntlich oft gemeinsam auf. Die Umweltgifte erhöhen das Risiko für Krebs, für Lungen- und Herzerkrankungen, teilweise durch den oxidativen Stress. Der Lärm erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann oxidativen Stress verursachen. Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat es, wenn gesunde Menschen 3 Stunden lang Dieselabgase einatmen oder wenn sie den zum Autoverkehr passenden Lärm hören? Überraschenderweise ist das Einatmen der Abgase weniger schädlich als der Lärm. Der könnte nämlich, so die Autoren vorsichtig, für oxidativen Stress und in der Folge für eine geschädigte DNA sorgen.

Macht Lärm Krebs? Das ist sicher etwas zu überspitzt ausgedrückt. Ich merke mir lieber die süße Abhilfe. Honig gegen Stress klingt nach einem Mittel, mit dem ich gut leben kann.

Sie brauchen mich übrigens nicht anzurufen, ich verkaufe keinen Honig!

Quellen:
[1] Arabmoazzen S, Sarkaki A, Saki Gh, Mirshekar MA. Antidiabetic effect of honey feeding in noise induced hyperglycemic rat: involvement of oxidative stress. Iran J Basic Med Sci 2015; 18:745‐751.
[2] Hemmingsen JG, Møller P, Jantzen K, Jönsson BA et al.: Controlled exposure to diesel exhaust and traffic noise--Effects on oxidative stress and activation in mononuclear blood cells. Mutat Res. 2015 May; 775: 66-71. doi: 10.1016/j.mrfmmm.2015.03.009. Epub 2015 Mar 28.

Auschra

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