Karpaltunnel-Syndrom: OP vermeidbar?

Zu dieser Frage gibt es interessante neue Daten. Eine Ärztegruppe verglich nämlich die Ergebnisse nach der üblichen Operation mit denen einer Manuellen Therapie.

Das Karpaltunnel-Syndrom ist ein Nervenkompressionssyndrom. Im Handgelenk wird nämlich der mittlere Handnerv (Nervus medianus) komprimiert, zusammengedrückt also. Das spürt man als Kribbeln (auch ein Taubheitsgefühl oder Schmerzen sind möglich) in der Handfläche oder am Handgelenk, am Daumenballen oder an den beiden ersten Fingern. Meistens bemerkt man die Beschwerden nachts, weil man davon nämlich aufwacht. Blöde Sache!

Was tut der Arzt? Erstmal schauen, ob die Beschwerden durch NSAR besser werden, durch Schmerztabletten also, die gegen Entzündungen wirksam sind. Auch Schienen für die Nacht werden eingesetzt. Wenn das nicht hilft und die Beschwerden zu nervig sind, um sie einfach zu ignorieren, ist der nächste Schritt eine Operation.

Neue Studienergebnisse zum Karpaltunnel-Syndrom

Und hier wird es interessant. Die internationale Studie, die ich gelesen habe, hat nämlich verglichen, ob die Operation wirklich bessere Ergebnisse erbringt als manuelle Therapien. Die Autoren bildeten zwei zufällige Gruppen von Patientinnen mit Karpaltunnel-Syndrom, wobei jede Gruppe 50 Patienten umfasste. Vor und nach der Behandlung wurde nach der Selbsteinschätzung der Patientinnen gefragt (dazu wurde ein standardisierter Fragebogen benutzt), außerdem wurde die Halswirbelsäulenbeweglichkeit und die Kraft des Daumen-Zeigefinger-Griffs gemessen. Diese Daten wurden also zu Anfang, nach 1, 3, 6 und 12 Monaten nach der letzten Behandlung erhoben – und zwar von einem Untersucher, der nicht wusste, zu welcher Gruppe die Patientinnen gehörten.

So, und jetzt wird es endlich interessant: Nach 12 Monaten waren noch 94 der anfangs 100 Frauen mit dabei. Beide Gruppen berichteten über Verbesserungen bei den Beschwerden, dabei waren die Unterschiede zu den verschiedenen Messzeitpunkten mal statistisch signifikant und dann wieder nicht. Die Schlussfolgerung der Autoren: Manuelle Therapie und Chirurgie waren ähnlich wirksam zur Verbesserung der von den Patientinnen selbst berichteten Funktion, der Schwere der Symptome und der Griffkraft. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule änderte sich in beiden Gruppen nicht.

Manuelle Therapie so gut wie Operation

Interessant, oder? Ich bin schon sehr gespannt, ob diese Studie die Leitlinien der Handchirurgen verändern wird. Da steht nämlich bisher (AWMF-Leitlinie), dass konservative Methoden „wie Yoga, Handwurzelmobilisation, Nervengleitübungen, Magnettherapie (…) allenfalls eine zeitlich begrenzte Wirkung haben, und somit nicht empfohlen werden können (Muller et al 2004)“. Die hier zitierte Studie ist von 2017.

Ob sich noch jemand operieren lassen würde, wenn bekannt ist, dass Manuelle Therapie genauso gut wirkt? Es gab übrigens vor Jahren schon eine Studie zum Karpaltunnel-Syndrom, bei der sich durch Schröpfen der Schulter-Nacken-Region die Beschwerden verbesserten. Es war eine kleine Studie, deshalb ist sie wissenschaftlich nicht aussagekräftig. Ich warte immer noch darauf, das endlich eine größere Studie in Angriff genommen wird.

 

Fernández-de-Las-Peñas C, Cleland J, Palacios-Ceña M, Fuensalida-Novo S et al.: The Effectiveness of Manual Therapy Versus Surgery on Self-reported Function, Cervical Range of Motion, and Pinch Grip Force in Carpal Tunnel Syndrome: A Randomized Clinical Trial. J Orthop Sports Phys Ther. 2017 Mar;47(3):151-161. doi: 10.2519/jospt.2017.7090. Epub 2017 Feb 3.

Fernández-de-Las-Peñas C, Cleland J, Palacios-Ceña M et al.: Effectiveness of manual therapy versus surgery in pain processing due to carpal tunnel syndrome: A randomized clinical trial. Eur J Pain. 2017 Aug;21(7):1266-1276. doi: 10.1002/ejp.1026. Epub 2017 Mar 14.

 

 

 

 

 

 

 

Auschra

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