Honig gegen MRSA

Krankenhauskeime sind gefürchtet, inzwischen wird immer häufiger über betroffene Patienten berichtet. Ich spare mir hier mal die Ausmalung der Folgen für betroffene Menschen. Mit Hilfe von Google findet man genügend Berichte, die einigermaßen sprachlos machen.

Diese fiesen Keime können auf Menschen leben, um es mal schlicht auszudrücken. Dem gesunden Menschen machen sie keine Beschwerden. In solchen Fällen spricht man nicht von einer Infektion, sondern von Kolonisation, von Besiedlung. Ernst ist eine Kolonisation spätestens vor einer Klinikbehandlung. Es macht Sinn, den Keim wieder loszuwerden, damit er die Operationswunde nicht infizieren kann.

Wenn bei jemandem MRSA-Keime nachgewiesen wurde, folgt vernünftigerweise also die Sanierung, auch als Dekolonisation bezeichnet. Damit ist ein genau definiertes Vorgehen gemeint, das u.a. aus täglichem Duschen mit antimikrobieller Seife, Nasenreinigung und antimikrobieller Salbe auf der Nasenschleimhaut besteht. So eine Salbe ist Mupirocin. Einerseits gut, dass es diese Salbe gibt. Andererseits nehmen Resistenzen gegen Mupirocin zu. Das liegt an den zunehmenden MRSA-Sanierungen, bei denen Mupirocin oft eingesetzt wird. Gibt es Alternativen? Vielleicht. Honig nämlich!

Heilt Honig?

Honig wird schon seit dem Altertum zu Heilzwecken verwendet, mehr kann man zum Beispiel hier nachlesen. Und Laboruntersuchungen haben auch längst gezeigt, dass Honig diverse Keime bekämpft. In der Wundversorgung setzen manche Ärzte Honig heute auch wieder ein, vor allem bei Problemwunden. Wer Fallbeispiele dazu lesen möchte: Hier geht es um eine taffe (schreibt man toughe???) alte Frau, deren Bein fast hätte amputiert werden müssen. Und hier erwähnt Prof. Münstedt, Frauenarzt und Imker, eine Brustkrebs-Patientin, die nach der Operation eine mit MRSA besiedelte Wunde hatte. Sie war 14 Tage erfolglos mit Antibiotika behandelt worden. Münstedt schlug der Frau eine Behandlung mit Honig vor, der einfach auf die Wunde gestrichen wurde. Nach drei Tagen Honigbehandlung waren die resistenten Keime verschwunden. Es scheint am Honig als richtig was dran zu sein.

Honig oder Mupirocin?

Aber wer vertraut schon einer Laboruntersuchung oder Einzelfallberichten? In einer Studie (1) wurde jetzt an 100 Patienten mit MRSA-Besiedlung verglichen, ob medizinischer Honig eine Alternative zu Mupirocin darstellt. Ich erspare uns mal die Einzelheiten (die kann man hier nachlesen.

Das Ergebnis sieht gut aus: Der Honig war dem Mupirocin bei der Ausrottung von nasalem MRSA nur leicht unterlegen. Damit wäre Honig für Patienten mit Resistenzen gegenüber Mupirocin eine ernstzunehmende Alternative. Genauer gesagt nicht irgendein leckerer Honig, sondern medizinischer Honig.

Es wäre natürlich vernünftig, diese Ergebnisse in größeren Studien zu untersuchen. Die Autoren weisen allerdings auf ein Problem hin, das nicht übersehen werden sollte. Honig ist ein Naturprodukt ohne Patent. Und wer sollte eine Studie über solche patentfreien natürlichen Wirkstoffe finanzieren? Tja, schade eigentlich.

Thomas Poovelikunnel T, Gethin G, Solanki D, McFadden E, Codd M, Hilary Humphreys.
Randomised controlled trial of honey versus mupirocin to decolonise patients with nasal colonisation of methicillin resistant Staphylococcus aureus and the lessons learned (PDF Download Available). Available from: https://www.researchgate.net/publication/320639061_Randomised_controlled_trial_of_honey_versus_mupirocin_to_decolonise_patients_with_nasal_colonisation_of_methicillin_resistant_Staphylococcus_aureus_and_the_lessons_learned [accessed Nov 08 2017].

Auschra

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