Gute Haltung und Sturzprophylaxe durch Yoga

Yoga ist gut für einen geraden Rücken und für entspannte Schultern, die nicht nach oben gezogen werden. Dazu kommt im Idealfall noch ein angespannter Bauch, ein aufrechter Brustkorb und ein Kopf, der ohne verkrampfte Muskeln auf dem Hals „schwimmt“.

Ja, Yoga ist gut für die Körperhaltung. Und so eine gute Haltung sieht nicht nur besser aus. Yoga hilft auch dabei, Stürze zu vermeiden und wird deshalb häufig auch Senioren angeboten.

Wer im fortgeschrittenen Alter anfängt, regelmäßig Yoga zu trainieren, der wird sicher nicht die Gelenkigkeit eines jungen Menschen erreichen. Aber eine stabile Körperhaltung ist ein realistisches Ziel, wie eine aktuelle Studie zeigt. Und das gilt sogar auch für Menschen mit Sehbehinderungen!

Yoga für Blinde?

Die Idee dabei ist, nach Verlust der Sehkraft die verbleibenden Wahrnehmungspotenziale zu schulen, um die Haltung zu stabilisieren. Der Gleichgewichtssinn wird bei gesunden Menschen vom Seh-Eindruck und den Daten des Gleichgewichtsorgans im Innenohr vermittelt. Es kommen aber noch mehr Eindrücke hinzu: von den Fußsohlen über die Gelenke der Beine nimmt man die eigene Lage im Raum wahr. Im Gehirn werden die Eindrücke ausgewertet. Ohne oder mit eingeschränktem Bild des Raumes kann man lernen, sich stärker auf die verbleibenden Wahrnehmungen zu verlassen. Yoga als Mittel, um die Wahrnehmung zu verbessern?

Pilotstudie mit sehbehinderten Patienten

Die Pilotstudie wurde mit 21 sehbehinderten Patienten durchgeführt, die als blind anerkannt waren, als „legally blind“. Damit ist gemeint, dass sie unter die Norm 20/200 fielen: Das ist dann der Fall, wenn man zum Erkennen ein Objekts, das ein Gesunder auf 200 Fuß erkennt, bis auf 20 Fuß heran gehen muss, um es zu erkennen. Anders ausgedrückt: Wenn Herr Müller zum Beispiel bis auf etwa 7m an eine Tafel herantreten muss, um sie lesen zu können, während seine normalsichtige Frau die Tafel schon aus etwa 70 Meter lesen kann, dann gilt Herr Müller als „legally blind“.

Bei ihnen lagen Diagnosen wie Glaukom, diabetische Retinopathie oder Retinopathia pigmentosa vor. Da sehbehinderte Menschen ein erhöhtes Sturzrisiko haben, sollte herausgefunden werden, ob Yoga zu einer besseren Haltung mit einer erhöhten Standfestigkeit beiträgt. Dazu wurden die Sehbehinderten in zwei Gruppen eingeteilt. Die Menschen der einen Gruppe bekamen Yoga, während die anderen auf die Warteliste für ein Training gesetzt wurden. Für die Menschen der Yoga-Gruppe gab es acht Wochen lang einen Kurs in einem lokalen Yoga-Studio, wo der Lehrer durch einen erfahrenen Assistenten unterstützt wurde. Zusätzlich wurde den Yoga-Schülern eine Audio-CD ausgehändigt, mit deren Hilfe sie zwei individuelle Übungstermine wöchentlich daheim durchführen sollten.

Die Yoga-Stunden begannen immer mit Atemübungen im Sitzen, dann folgten Aufwärmen, Steh-Positionen, Sitz-Positionen, Atemübungen und eine Entspannungsphase. Die eingenommenen Haltungen wurden für jeweils fünf Atemzüge gehalten.

Vor und nach dem Yoga-Kurs wurde die Standfestigkeit auf unterschiedlichen Untergründen (fester Boden, Wackelkissen) und mit offenen sowie geschlossenen Augen gemessen.

Anfangen!

Zu Beginn standen die Patienten beider Gruppen gleich stabil (oder besser gesagt: gleich instabil) auf den Beinen. Nach den acht Wochen – man ahnt es schon – war die Haltung der Yoga-Teilnehmer signifikant besser.

Eigentlich wäre es also absolut sinnvoll, wenn Menschen mit schwindender Sehkraft schon frühzeitig mit Yoga anfangen würden. Oder mit Tai Chi, dazu gibt es ähnliche Studienergebnisse. Eins ist wohl sicher: Die Zahl der Menschen mit Sehstörungen nimmt zu und heute schon gibt es bei uns fast eine Million Glaukom-Patienten in Deutschland – andere Ursachen für Erblindung kommen hinzu. Ich würde mir wünschen, dass sich Yoga-Lehrer, Optiker, Augenärzte und alle, die es sonst noch angeht, darauf vorbereiten.

 

Quelle. Jeter PE, Haaz Moonaz S, Bittner AK, Dagnelie G (2015) Ashtanga-Based Yoga Therapy Increases the Sensory Contribution to Postural Stability in Visually-Impaired Persons at Risk for Falls as Measured by the Wii Balance Board: A Pilot Randomized Controlled Trial. PLoS ONE 10(6): e0129646. doi:10.1371/journal.pone.0129646

Auschra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.