Fake-Medikamente aus der Apotheke?

Wer eine Packung Tabletten in der Apotheke kauft, denkt eigentlich, dass er auf der sicheren Seite ist. Dem Apotheker kann man doch wohl vertrauen, oder? Leider nicht immer. Man kann – wie das Buch Pharma Crime belegt – auch beim Medikament aus der Apotheke nicht hundertprozentig sicher sein, dass tatsächlich der gewünschte Inhaltsstoff in der richtigen Reinheit und Konzentration drin ist. Pharmafälschungen kommen in Deutschland vor und auch Apotheken sind davon betroffen. Das ist die denkbar knappste Zusammenfassung des Buchs.

Todesfälle durch gefälschte Medikamente

Bisher dachte ich immer, gefälschte Tabletten kommen nur über dubiose Internetanbieter in deutsche Wohn- oder Schlafzimmer. Durch die Lektüre habe ich viel über den internationalen Handel mit Medikamenten dazugelernt. Nebenbei ist das Buch spannend wie ein Krimi. Kein Wunder eigentlich, es geht ja auch um Verbrechen, wobei die Autoren Danuta Harrich-Zandberg und Daniel Harrich die Rolle der Ermittler ausfüllen. Sie berichten auf angenehm persönlich-ehrliche Weise über ihre Nachforschungen. Mit gefälschtem Heparin und der Sorge um eine kranke Angehörige stiegen sie in das Thema ein.

Eine wichtige Rolle für die Aufdeckung des Heparin-Skandals spielte Coline Hubly. Die Krankenschwester mit den detektivischen Fähigkeiten musste erleben, wie ihr Ehemann und ihre Schwiegermutter, beide Dialyse-Patienten, im Abstand von nur drei Wochen starben. Weitere Todesfälle brachten sie auf die Idee, dass das verabreichte Heparin die Ursache sein könnte. Schließlich stellte sich tatsächlich heraus, dass die Pharma-Firma für die Herstellung des Medikaments tatsächlich einen verunreinigten Rohstoff aus China importiert hatte. Die Todesfälle waren wirklich durch das gefälschte Heparin verursacht worden. Schockierend, oder?

Erschüttertes Vertrauen

Die Autoren recherchierten sorgfältig, sie kooperierten dabei auch mit Informanten, mit Whistleblowern also. Einer von ihnen, selbst Pharmagroßhändler, berichtete ihnen von Lieferungen gefälschter Krebsmedikamente an normale deutsche Apotheken.

Das Vertrauen in die Qualität der Tabletten aus der Apotheke wird durch solche Berichte einigermaßen erschüttert. Warum merkt das keiner? Ausgerechnet bei Krebsmedikamenten müsste das doch auffallen! Nein? Nein. Wenn es einem Patient nach der Einnahme des Krebsmittels schlechter geht, werden die Ärzte an Nebenwirkungen oder an ein Fortschreiten der Krankheit denken. Und wenn der Patient chronisch krank ist, also mehrere Medikamente einnimmt, ist die Situation sowieso unübersichtlich. Selbst wenn der Patient stirbt, muss niemand automatisch an verunreinigte oder gefälschte Medikamente denken.

Ein absolut lesenswertes Buch!

Wie erkennt man, ob ein Medikament gefälscht ist?

Tja, wenn man das als Laie auf den ersten Blick sehen würde, wären Medikamentenfälschungen ein schlechtes Geschäft. Es ist außerhalb vom Labor leider kaufm möglich, Original und Fälschung zu unterscheiden. Leider! Aber die wenigen Chancen, die man hat, sollte man nicht auch noch vergeben. Also:

  • Wenn man einen Schreibfehler auf der Packung entdeckt, sollte man das nicht lustig finden, sondern misstrauisch werden, sehr misstrauisch.
  • Wer dauernd Medikamente einnimmt, kann ein Medikamententagebuch führen, in dem er den Anbruch einer neuen Packung notiert. Wenn dieser Termin mit dem Auftreten neuer oder stärkerer Beschwerden zusammenfällt, hat man zumindest einen Ansatzpunkt.
  • Aufgebrauchte Medikamentenpackungen sind nicht wertlos, sondern können einen Vergleichsmaßstab (Seriennummer, Strichcode, Verfallsdatum) darstellen. Auch eine letzte Tablette kann man im Blister behalten, um notfalls Farbe und Konsistenz vergleichen zu können.
  • Schon vor der Bestellung sollte man auf das Sicherheitslogo achten, das Online-Apotheken seit Jahr 2015 auf ihrer Internetseite verwenden müssen.
  • Wenn eine Online-Apotheke rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept abgibt, ist Misstrauen auf jeden Fall berechtigt.

 

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