Es brennt, kribbelt oder schmerzt

Polyneuropathie heißt übersetzt ungefähr: viele Nerven tun weh. Den Betroffenen tun zum Beispiel die Füße weh und die normalen Reflexe funktionieren nicht mehr. Außerdem kribbelt es in den Zehen und die Fußsohle fühlt sich an wie bei einem Ameisenangriff. Oder manche Bereiche sind einfach taub, gleichzeitig aber so empfindlich, dass selbst eine leichte Bettdecke auf den Füßen zur Qual werden kann. Klingt eklig, ja. Selten ist die Polyneuropathie nicht: 5-10 Prozent der Bevölkerung leidet darunter.

Welche Ursachen hat eine Polyneuropathie?

Die Beschwerden entstehen, weil die Nerven Datensignale nicht mehr richtig übertragen. Warum die Nerven das nicht mehr hinkriegen, ist in manchen Fällen schnell erklärt: nervenschädigende Substanzen und chronische Entzündungen sind oft die Ursache. Diabetiker oder Alkoholiker bekommen zum Beispiel Polyneuropathien. Auch Medikamente wie Omeprazol oder Chemotherapeutika und verschiedene Gifte oder Schwermetalle können Nerven schädigen. Und dann gibt es noch die vielen Fälle, bei denen sich der Grund nicht feststellen lässt und bei denen die Neurologen einigermaßen ratlos sind. Die Beschwerden werden symptomatisch behandelt, was nicht selten unerwünschte Wirkungen nach sich zieht.

Medikamente mit erwünschten und unerwünschten Wirkungen

Das Buch ‚Ratgeber Polyneuropathie und Restless Legs’ enthält jedenfalls eine umfangreiche Auflistung von Wirkungen und Nebenwirkungen der üblichen Medikamente. Herausgeber des Buchs ist Dr. Christian Schminke, Leiter der Klinik am Steigerwald und spezialisiert auf Traditionelle Chinesische Medizin. Er spricht von einer Vielzahl an Ursachen und bringt das Bild des überlaufenden Fasses ins Spiel: Der Körper kann ganz schön viel wegstecken, aber irgendwann ist das Fass voll und läuft über. Diese Sichtweise klingt nicht gut – wer vergleicht sich schon gerne mit einem übervollen Fass? Aber sie enthält eine gute Nachricht. Wenn die Erkrankung dadurch entsteht, dass es dem Körper zu viel wird („Summationseffekt“), dann kann man sie vielleicht auch ein Stück weit wieder rückgängig machen, indem man das Fass leert, die Belastungen reduziert.

Polyneuropathie naturheilkundlich behandeln

Schmincke beschreibt zahlreiche Möglichkeiten dafür. Ernährung und Bewegung spielen eine Rolle, guter Schlaf und ein gesunder Darm sind wichtig und – überraschenderweise liegt ein Schwerpunkt auf dem Umgang mit Infekten. Dabei stolpert man in dem Buch über den Begriff ‚Tan’. Damit meint die Traditionelle Chinesische Medizin alle unerwünschten Substanzen, die sich auf Dauer den Klärungen und Ausscheidungen des Körpers entziehen. Der europäische Naturheilkundler würde vielleicht von Schlacken sprechen, die im Bindegewebe festsitzen. Wenn ich die Aussagen in dem Buch richtig verstanden habe, kann man Tan mit Hilfe von chinesischen Rezepturen auflösen. Eine Art Entgiftung also.

Für mich ist das Thema vor allem interessant, weil ich vor Jahren eine Frau interviewt habe, die eine Polyneuropathie naturheilkundlich behandeln ließ. Sie beschrieb ihre Krankheit im Interview folgendermaßen: „Ich hatte kein Gefühl mehr, wie wenn einem der Fuß eingeschlafen ist. Zuerst waren nur die Zehen betroffen. Da denkt man noch nicht, dass es etwas Schlimmes ist. Aber dann stieg die Taubheit allmählich immer weiter hoch. Mein Hausarzt meinte, das hört bei den Knien auf. Aber es hörte nicht auf, es ging weiter. (…) Zum Schluss ging die Taubheit bis in den Intimbereich und auch die Hände wurden taub. Außerdem wurden meine Muskeln immer schwächer. Ich konnte nicht mehr richtig gehen, noch nicht einmal mehr mit dem Rollator.“ Natürlich ging sie zu Ärzten, war sogar in der Uniklinik, aber ohne Erfolg. „Ich habe jede Menge Medikamente bekommen. Nur: Sie haben nichts genützt! Manche habe ich nicht vertragen, sodass alles noch schlimmer geworden ist! Von einer Infusion waren alle meine Gefäße entzündet, sodass man mir nicht mal mehr eine Spritze geben konnte. Die Ärzte in der Uni-Klinik haben auch ehrlich gesagt, sie würden einfach alles ausprobieren und schauen, ob es hilft.“ Erst einem naturheilkundlich orientierten Arzt gelang es, für Besserung zu sorgen: „Er hat mir Kapseln mit Pilzen und Kräutern gegeben, außerdem Essenzen, was weiß ich. Ich habe genommen, was er mir empfohlen hat. Ärgerlich fand ich nur, dass die Krankenkasse diese Therapien nicht bezahlt. Man muss sich das einmal vorstellen: Die haben Unsummen ausgegeben für meine Krankenhausaufenthalte! Aber für die Oberondiagnostik oder die kinesiologischen Tests war kein Geld da. Aber ehrlich gesagt ist es mir inzwischen fast egal. Es geht mir immer besser und alles andere ist nicht wichtig.“ Ich müsste den behandelnden Arzt mal fragen, ob er inzwischen noch weitere Polyneuropathie-Patienten behandelt hat.

Ich kenne halt nur diesen für mich eindrucksvollen Einzelfall, der so sicher nicht auf andere Patienten übertragbar ist. Aber in der Klinik am Steigerwald werden offenbar viele Patienten mit Polyneuropathie behandelt. Ob dort Zahlen zu den Krankheitsverläufen existieren? Das fände ich hoch spannend!

Nachtrag

Gerade habe ich Daten aus der Klinik am Steigerwald (bzw. Romy Robst, der Inhaberin des PR-Büros) bekommen. Ich kopiere den Text einfach mal rein.

„Ob dort Zahlen zu den Krankheitsverläufen existieren? Das fände ich hoch spannend!“

Ja, die gibt es:

 

Die Dokumentations-Studie der Klinik am Steigerwald

Therapieerfolg und Nachhaltigkeit der Chinesischen Medizin bei Polyneuropathie bestätigt eine Dokumentations-Studie der Klinik am Steigerwald: 89 Prozent der Patienten profitierten auch noch zwei Jahre nach der Behandlung in der Klinik von der alternativen Therapie. So verbesserten sich bei 52 Prozent die Symptome nachhaltig, bei 37 Prozent der Patienten schritt die Polyneuropathie zumindest nicht weiter fort.

  • Hintergrund: Seit 1999 gibt es in der Klinik am Steigerwald ein Dokumentationssystem, um den Therapieerfolg und dessen Nachhaltigkeit zu ermitteln. Auf dieser Basis ist die Dokumentations-Studie entstanden.
  • Patienten und Methode: Ausgewertet wurden 1972 zwischen 1999 und 2007 stationär behandelte Patienten, davon 212 Polyneuropathie-Patienten. Von 74% dieser Patienten liegt eine Nachbefragung von bis zu 24 Monaten vor.
  • Überlegungen zur Studie: Die Beurteilung des Therapieerfolgs auf die vom Patienten geäußerten Beschwerden und nicht nur auf medizinische Befunde und Diagnosen zu stützen, entspricht der wachsenden Bedeutung der Lebensqualität. Der Nutzen einer Therapie ist das Produkt aus Lebensqualität und Lebensdauer und das wichtigste Kriterium. Für den Nutzen einer Therapie ist die Wirksamkeit notwendig, aber nicht hinreichend. Wenn es gelingt, die Lebensqualität von Patienten nachhaltig zu verbessern und dies auch nachzuweisen, darf man eine Behandlung nicht nur als wirksam, sondern auch als nützlich betrachten.

Überblick:

  • 52% der Patienten sich der Gesundheitszustand deutlich oder leicht verbessert hat.
  • 37% der Patienten, der Gesundheitszustand unverändert blieb und damit das Fortschreiten Krankheit gestoppt wurde.
  • lediglich einem Zehntel der Patienten die Krankheit weiter fortschritt.

Da meist Polyneuropathie -Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf in unsere Klinik kommen, sind diese Behandlungsergebnisse bemerkenswert.

 

 

Auschra

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