Eingewachsener Zehennagel: Operation unnötig?

Wer schon einmal einen eingewachsenen Zehennagel hatte, kann ein Lied davon singen. Das ganze Leben ändert sich wegen einem blöden Fußnagel! Yoga, Laufen oder Wandern geht nicht. Der Zeh tut weh, stört den Schlaf, also geht man irgendwann zum Arzt. Meiner warf einen kritischen Blick auf den Zeh, drückte drauf (ich hätte ihm auch sagen können, dass es weh tun würde) und nickte mitleidig. Dann riet er zu desinfizierenden Maßnahmen und gab mir eine Überweisung zum Chirurgen mit. Falls es nicht besser würde…

Ich hatte Glück und einen fähigen Podologen, also musste ich nicht operiert werden.

Jetzt, Jahre später, bin ich (danke, lieber Prof. Kochen!) auf eine Studie aufmerksam geworden, die eine ziemlich erfolgreiche Methode zur Behandlung von eingewachsenen Fußnägeln vorstellt: ohne Operation und ohne Nagelspange, dabei so einfach, dass viele Patienten die Maßnahmen wohl auch selbst durchführen könnten.

Bei den Schritten, die ich gleich beschreibe, geht es darum, den Zwischenraum zwischen Nagelplatte und entzündetem Nagelwall zu vergrößern. Bilder dazu gibt es hier.

Dazu schneidet man einen Streifen aus einem elastischen Klebepflaster zurecht (ungefähr 3-4 x 2,5cm). Diesen Streifen klebt man außen an die Spitze des Nagelfalzes und dann ganz dicht seitlich in den Nagelfalz an der Nagelplatte entlang fest.

Jetzt merkt man, wie wichtig es ist, dass das Pflaster wirklich dehnbar ist. Es muss nämlich gedehnt und dann an der anderen Seite des Zehs festgeklebt werden, damit der Nagelfalz ein bisschen Abstand von der Nagelplatte bekommt.

Man braucht tatsächlich (ich habe es ausprobiert!) erstens einen Apotheker, der ein passendes Pflaster empfehlen kann und zweitens beide Hände, um das Pflaster richtig anzukleben. Das heißt, man muss einigermaßen gelenkig sein oder einen guten Freund als Helfer haben. Einen Operationsvermeidungshelfer sozusagen.

Meine Lieblingsvorstellung ist es allerdings, dass der eigene Hausarzt den Artikel liest und die Idee ausprobieren möchte.

Ihn könnten möglicherweise die Eckdaten der Studie überzeugen: Die Autoren veröffentlichen die Erfahrungen von 541 Patienten und insgesamt 750 betroffenen Großzehennägeln, die sie über 15 Jahre mit dieser Methode behandelt haben. Bei 276 Patienten heilten die eingewachsenen Nägel mit der Pflastermethode ohne weitere Folgen ab, das sind immerhin 334 von 750 betroffenen Zehen (44,5%). Bei den restlichen 265 Patienten und ihren 416 betroffenen Zehen (55,5%) war die Methode nicht ausreichend, sie bekamen dann doch eine Nagelspange oder mussten operiert werden. Die korrekte Quellenangabe lautet: Tsunoda M, Tsunoda K. Patient-controlled taping for the treatment of ingrown toenails. Ann Fam Med. 2014; 12(6): 553-555.

Es ist einen Versuch wert, oder?

Auschra

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