Der Weg einer Krebs-Patientin zur Heilung

Miriam ist 30 und hat zwei kleine Kinder, als sie wegen Rückenschmerzen zum Arzt geht. Der schickt sie zum MRT und danach ist alles anders. Flecken auf der Wirbelsäule: Krebs. Miriam interessiert sich nicht dafür, ob es Brustkrebsmetastasen sind oder ein Knochentumor. Sie liest, denkt nach und behält die Fäden ihrer Krankheit in der Hand. Gleich nach der Diagnose fängt sie eine absurd klingende Diät an: Bio-Papaya, Bio-Ananas, Bio-Zitronen, Bio-Kohl und Bio-Schokolade. Sonst nichts. Das hält sie übrigens zwei Jahre lang durch!

Für den Leser ist ihre Geschichte (veröffentlicht als Buch: KrebsLeben – Die Kombination der Möglichkeiten) sicher mitreißend, aber auch irgendwie anstrengend. Oft ertappe ich mich bei dem Versuch, ihr Handeln nachzuvollziehen oder vorherzusehen. Und dann handelt sie doch wieder anders als erwartet. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass sie es hasst, von ihrer Umgebung mit guten Ratschlägen überschüttet zu werden. Miriam sucht Wissen, keine Geschichtenerzähler. Aber warum will sie anfangs auf gar keinen Fall einen Onkologen, geht dann aber auf Drängen von Angehörigen doch in die onkologische Souterrain-Praxis? Warum ist ihr vertrautester medizinischer Begleiter ausgerechnet ein Homöopath?

Miriam ist überzeugt, dass es nicht die eine und einzige ultimative Krebstherapie gibt. Sie kämpft für die Vorstellung einer Heilung, setzt stärkende Glaubenssätze und Kieser-Training ein, beschäftigt sich mit Studien zu Ernährung, Krebs, Darmsanierung und liest jede Menge Berichte über Krebskranke, die überlebten.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich beim Lesen mehrmals gefragt habe, ob das wirklich authentisch ist. Wie kann man die Zeit haben, sich neben Therapien, Kindern, Hund und Pferd auch noch mit naturheilkundlichen und schulmedizinischen Studien zu befassen? Immerhin ist sie richtig schwer krank, der Onkologe diagnostiziert einen Morbus Hodgkin im Stadium IV, „gefühltes Stadium V, da liegt man normalerweise unter der Erde“. Freundlicherweise ergänzt er noch: „Ich habe noch nie einen Menschen lebend mit dieser ausgebreiteten Form gesehen“. Ein reizender Mensch! Miriam entscheidet sich dann doch (warum?) für eine Chemotherapie – und nach dem ersten Zyklus ist der Krebs nicht mehr nachweisbar.

Das war der erste Teil des Buchs, der kleinere Teil nämlich, Miriams Geschichte. Für mich eine ziemliche Achterbahnfahrt durch die Ängste der Autorin über ihre selbstbewusste Ablehnung der üblichen medizinischen Angebote und eine Kertwende hin zur Chemotherapie. Der Hauptteil des Buchs ist für mich entspannter zu lesen, es geht ja schwerpunktmäßig um sachliche Argumentationen zur Heilung. Miriam beschreibt ihren Standpunkt zu heilsamen Gedanken, schreibt über Gifte, Vitamine und Ernährung (ja, auch dem Kohl widmet sie ein eigenes Kapitel). Ein großes Kapitel ist der Chemotherapie und den Mitteln gewidmet, mit denen man Nebenwirkungen minimieren oder besser aushalten kann. Dann geht es noch um Vitamine und und und… Interessanterweise finde ich kein Kapitel über Homöopathie, obwohl gerade der Homöopath im ersten Teil des Buchs als der beste Vertraute dargestetllt wird.

Mir gefällt Miriams direkter Schreibstil, der ohne Belehrungen auskommt. Vielleicht wäre dies tatsächlich ein Buch, aus dem ich Ideen für mich heraussammeln würde, wenn ich betroffen wäre. Eine Papaya-Ananas-Diät würde ich vermutlich nicht allzu lange durchhalten. Aber Quark mit Leinöl zum Beispiel ist doch nicht nur gesund, sondern auch lecker. Und natürlich würde ich viele Pilze essen und Honig!

Empfehlenswert für Gesunde und Krebskranke, die ihren Krankheits- oder Heilungsweg selbst in die Hand nehmen. Aber für mich bleiben nach der Lektüre auch viele Fragen offen. Ich würde mit Miriam gerne mal ein Interview führen. Mal sehen, ob sie Lust dazu hat.

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