Cannabis gegen Krebs

Am 10. März 2017 ist das Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften in Kraft getreten, das die Möglichkeiten zur Verschreibung von Cannabisarzneimitteln erweitert. Konkret können Ärzte Medizinal-Cannabisblüten oder Cannabisextrakt in pharmazeutischer Qualität auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben.

Legale Kiffer

Eine legale Sache, das kann man auch auf den Seiten der Bundesregierung nachlesen. Hier wird erklärt, dass schwer kranke Patienten, die unter Schmerzen leiden, Cannabis-Arzneimittel auf Rezept erhalten können. Allerdings nur, wenn die Einnahme die Symptome oder den Krankheitsverlaufs voraussichtlich verbessert.

Wenn das auf höchst offiziellen Seiten so steht, dann muss an der medizinischen Wirkung von Cannabis also offenbar doch etwas dran sein. So richtig reibungslos läuft die Umsetzung des Gesetzes allerdings wohl noch nicht. Ich google mal schnell und finde zum Beispiel folgendes: Die Kostenerstattung beschäftigt die Gerichte, in München hatte ein legaler Kiffer Stress mit Polizisten, es gibt Lieferprobleme und die Ärzte sind auch nicht wirklich gut informiert.

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin

Bis auf einen: Dr. med. Franjo Grotenhermen ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. , die sich für den legalen medizinischen Einsatz von Cannabis stark macht. Er hat viel über Haschisch publiziert, vor mir auf dem Schreibtisch liegt sein Buch „Cannabis gegen Krebs“. Der Arzt ist nicht nur irgendwie theoretisch Experte für Hanf, er tritt mit dem Thema auch an die Öffentlichkeit und man merkt, dass es ihm wirklich wichtig ist. So ist er schon zweimal in einen Hungerstreik getreten. Ihm ging es dabei laut Ärzteblatt darum, die Entkriminalisierung von Schwerkranken zu erwirken, die Cannabis zur Behandlung benötigen.

Das Buch ist eine Fundgrube von Informationen rund um Cannabis und Krebs. Und es ist sympathisch! Alles wird schön erklärt, der erhobene Zeigefinger bleibt stecken. Die Studienlage wird beschrieben, ohne zu übertreiben und ohne Werbung zu machen. So richtig klar ist es nämlich nicht, ob man Krebs mit Cannabis bekämpfen oder gar heilen kann. Andererseits ist der Mangel an evidenzbasierten Studien auch keine Überraschung: die Zahl der onkologischen Kliniken, die sich mit diesem Thema beschäftigen, ist sicher überschaubar.

Das Buch beantwortet viele Fragen, etwa die, inwiefern welche Hanf-Substanzen gegen Krebszellen wirken. Laborstudien mit Krebszellen zeigen, dass Cannabinoide krebshemmende Eigenschaften haben. Und es gibt Fallberichte, wo dramatisch positive Veränderungen des Krankheitsverlaufs beschrieben werden. Aber heißt das automatisch, dass alle Krebs-Patienten davon profitieren? Die Stärke des Buches liegt meiner Ansicht nach vor allem in dem praktischen Wissen des Autors.

  • Welche Folgerungen kann man aus den bisherigen Studienergebnissen ableiten?
  • Wie sollte dosiert werden?
  • Wie kann Cannabis verschrieben werden?
  • Und last not least: welche anderen gesundheitförderlichen Maßnahmen gibt es für Krebs-Patienten?

Im Vorwort beschreibt der Arzt, wie seine Mutter an Nierenkrebs erkrankte und nach der Operation erfuhr, dass der Krebs die Nierenkapsel überschritten hatte. Eine schlechte Prognose also! Also suchte sie nach den verschiedensten naturheilkundlichen Möglichkeiten – und die düstere Prognose ist nicht eingetreten. Darum geht es.

Aus meiner Sicht wieder mal eine klare Kaufempfehlung!

Nachgefragt bei Dr. Grotenhermen

Sie haben ein Buch herausgegeben, dessen Essenz ich folgendermaßen zusammenfassen würde: Cannabis scheint sowohl den Verlauf mancher Krebserkrankungen zu verbessern als auch manche Symptome zu lindern. Ist das einigermaßen richtig?

Dr. Grotenhermen: Die Linderung von Symptomen von Krebserkrankungen, wie etwa Appetitlosigkeit und Übelkeit, ist durch klinische Studien gesichert. Über den Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung selbst gibt es bisher zu wenige klinische Daten, um da sicher zu sein. Es wurde aber nachgewiesen, dass THC und CBD im Experiment bei vielen unterschiedlichen Krebserkrankungen krebshemmend wirkt. Daher kann man darauf hoffen, dass dies auch beim Menschen so ist. Dafür gibt es zumindest heute gute Hinweise.

Ich kenne viele Patienten mit Krebs und anderen chronischen Erkrankungen, die große Hoffnungen auf Cannabis setzen, aber keinen Arzt finden. Werden Sie von Patienten überrollt?

Dr. Grotenhermen: Ja, ich kann die Anfragen leider nicht bewältigen, sodass ich zur Zeit keine neuen Patienten nehme, weil die Wartezeit über ein Jahr ist. Ausnahmen sind Patientin, die wegen der medizinischen Verwendung von Cannabis einer Strafverfolgung ausgesetzt sind, Krebspatienten und Kinder unter 16 Jahren. Für Krebspatienten habe ich eine Krebssprechstunde eingerichtet, denn diese können nicht ein Jahr warten, und es gibt sonst keine Ärzte, die sich mit diesem Thema wirklich gut auskennen.

Unter welchen Voraussetzungen darf ein Arzt Sativex® verordnen?

Dr. Grotenhermen: Sativex® kann von jedem niedergelassenen Arzt auf einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden. Für jeden Kranken, für den er es für notwendig erachtet. Cannabisbasierte Medikamente sind Betäubungsmittel, Betäubungmittel sollen nur eingesetzt werden, wenn andere Medikamente unzureichend wirksam sind oder starke Nebenwirkungen verursachen.

Kennen Sie Ärzte, die wegen der Verordnung von Sativex® juristische Probleme bekommen haben?

Dr. Grotenhermen: Nein.

Vielen Dank, dass Sie mir Ihre Zeit zur Verfügung gestellt haben!

Auschra

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