Bauchweh nach Brot: alles Spinner?

Bis vor ein paar Jahren galten Vollkornbrot und Müsli als besonders gesund. Heute sind diverse Menschen davon überzeugt, dass Weizen erstens für ihre Wampe verantwortlich ist und zweitens für Schlimmeres sorgen kann. Diverse Studienergebnisse sprechen gegen Gluten. Die Probleme können von Bauchweh über Reizdarm bis zu Psychosen reichen – angeblich. Jedenfalls ist glutenfreies Essen mittlerweile salonfähig geworden. Nur Ärzte waren lange Zeit eher belustigt über die Vorstellung, dass ausgerechnet Brot und Bier, Pizza und Pasta Beschwerden verursachen könnten.

In den letzten Jahren bis Monaten hat sich da einiges getan. Auch viele Mediziner sind inzwischen überzeugt, dass Weizen auf verschiedene Arten krank machen kann. Nicht nur im Sinn der Zöliakie, bei der auch schon geringste Mengen Mehl hässliche Folgen haben können. Jetzt wird auch in ärztlichen Leitlinien anerkannt, dass es Menschen mit Gluten- oder Weizensensitivität gibt.

Studie mit glutensensitiven Menschen

Dazu wurde kürzlich eine neue Studie veröffentlicht. In die Untersuchung aufgenommen wurden Menschen, die überzeugt waren, kein Gluten zu vertragen. Um herauszufinden, ob es sich dabei vielleicht doch nur um eine Einbildung handelt, wurden die Studienteilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe bekam eine glutenfreie Diät, die andere normales Essen. Außerdem mussten alle Studienteilnehmer Kapseln einnehmen, die entweder mit etwas Gluten oder Reismehl gefüllt waren.

Natürlich war die Studie randomisiert und doppelblind aufgebaut: Die Zuordnung zu den Gruppen war zufällig und weder Ärzte noch Patienten wussten, wer Essen und Kapseln mit Gluten bekam und wer ohne. Vor Studienbeginn war übrigens noch auf Zöliakie und Weizenallergie untersucht worden. Diese Patienten durften nicht teilnehmen. Übrig blieben also nur diejenigen, die so gerne belächelt werden. Besser gesagt: belächelt wurden. In der Studie zeigte sich nämlich, dass die einwöchige Gluteneinnahme zu einer signifikanten Zunahme von Bauchschmerzen, Blähungen, depressiver Stimmungslage, Aphthen an der Mundschleimhaut und Benommenheit führte. Nicht in beiden Gruppen, versteht sich, sondern in der Gluten-Gruppe.

Glutensensitivität ist real

Kommentar des Autors: „Dass in einer auf diese Weise vorselektierten Patientengruppe kleine Mengen von Gluten tatsächlich intestinale und extraintestinale Beschwerden verschlimmern, ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass das Krankheitsbild der Glutensensitivität durchaus ein reales ist. Da mag es aktuell verschmerzbar sein, dass die Pathophysiologie der Glutensensitivität bisher noch nicht wissenschaftlich geklärt werden konnte.

Hoffentlich lesen ganz viele Ärzte diese Studie. Vor allem die, die bisher der Auffassung waren, dass es sich bei den vielen Menschen, die Gluten „irgendwie“ nicht vertragen, um Spinner handeln muss!

 

Storr, M. pädiatr. hautnah (2016) 28: 13. doi:10.1007/s15014-016-0651-9

 

 

Auschra

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