Avocado contra Arthrose

Kniegelenksarthrose ist ein Volksleiden. Das Gelenk tut weh, lässt sich nicht mehr gut bewegen, der Arzt empfiehlt Schmerzmittel (NSAR), um den Schmerz zu reduzieren und die Entzündung einzudämmen. Der Preis dafür sind nicht selten Magenprobleme, die wiederum zur Einnahme von Säureblockern zwingen. Und die haben ganz andere unerwünschte Folgen. Halt, stopp, ich komme endlich zum Thema: die Avocado als Knie-Retter.

ASU: „Avocado Soybean Unsaponifiables“

Mit Präparaten, die unverseifbare Bestandteile von Avocado-und Soja-Ölen enthalten, sind schon einige Untersuchungen durchgeführt worden. Sie werden in der englischsprachigen Literatur als ASU bezeichnet, das steht für „Avocado Soybean Unsaponifiables“. Gemeint sind damit beispielsweise pflanzliche Farbstoffe, Vitamine und Sterine. Es ist jedenfalls schon länger bekannt, dass diese Mittel bei Arthrose-Patienten positive Auswirkungen haben. Sie sollen den Knorpel schützen, in mehreren kleinen doppelblinden Studien konnten sie die Beschwerden von Arthrose-Patienten lindern.

In Polen wurde jetzt in 99 rheumatologischen Zentren eine Studie mit deutlich mehr Teilnehmern durchgeführt: mit 4822 Patienten nämlich, die wegen schmerzhafter Kniearthrose in Behandlung waren. Ihre Routinebehandlung wurde weiter geführt, zusätzlich bekamen sie sechs Monate lang täglich eine Kapsel mit 300 mg ASU. Nach Studienende waren noch 4186 Patienten mit dabei. Ihre Ärzte berichteten deutliche Besserungen: Während der ASU-Therapie hatte sich ihre Bewegungseinschränkung signifikant verbessert und die Schmerzen waren signifikant zurückgegangen, auch der Verbrauch an Schmerzmitteln und NSAR war rückläufig: Anfangs hatten 58,8% der Studienteilnehmer diese Medikamente geschluckt, nach sechs Monaten waren es nur noch 24,9%. Unerwünschte Wirkungen von ASU wurden nicht festgestellt.

Schönes Ergebnis, oder?

Natürlich gibt es auch an dieser Studie etwas auszusetzen. Diagnose und Therapie wurden zwar von Rheumatologen durchgeführt, die für die Studie extra geschult worden waren. Kontrolliert wurden sie jedoch nicht, sie sendeten einfach anonyme Daten ein. Was, wenn der eine oder andere Arzt einfach seiner Phantasie freien Lauf gelassen hätte? Ein weiterer Mangel besteht darin, dass keine Verblindung und kein Vergleich mit Placebo stattfand. Die Ärzte gaben ihren Patienten also im Rahmen der Studie ein zusätzliches Mittel, was möglicherweise bei Medizinern und Kranken die Hoffnung auf Schmerzfreiheit steigerte. Die Hoffnung lindert Schmerzen, wie Placebostudien zeigen. Eine optimale Studie ist diese also auch nicht. Mir gefällt sie trotzdem. Immerhin konnten die Avocados die NSAR-Einnahme verringern!

Głuszko P, Stasiek M: Symptom-modifying effects of oral avocado/soybean unsaponifiables in routine treatment of knee osteoarthritis in Poland. An open, prospective observational study of patients adherent to a 6-month treatment. Reumatologia. 2016; 54 (5): 217-226. Epub 2016 Nov 28.

 

 

Auschra

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