AGnES, VERAH, EFA und PraCMan

AGnES, VERAH und EFA sind die „Kosenamen“ der weitergebildeten Medizinischen Fachangestellten. So heißen übrigens die Damen, die es hassen, wenn sie Arzthelferinnen, Sprechstundenhelferinnen (noch schlimmer!) oder gar Sprechstundenhilfen (am schlimmsten!!!) genannt werden. Neuerdings ist ein weiterer Name dazugekommen: PraCMan! Ich weiß nicht, ob der Präkmän gesprochene Ausdruck tatsächlich an Batman erinnern soll. Ich weiß nur, dass ich meine Interviews mit solchen VERAHs bisher immer ausgesprochen lehrreich und unterhaltsam fand. Fußpulse tasten, VERAH Es klingt vielleicht unglaubwürdig, aber diese Ausflüge, bei denen ich neben der VERAH her lief, waren echte Highlights im Schreibtisch-Alltag.

Zum Beispiel konnte ich „Schwester Daniela“, die in einer allgemeinmedizinischen Praxis angestellt ist, durch ein Altersheim in Neubrandenburg begleiten. Sie führte dort selbstständig Hausbesuche durch.

Diabetischer Fuß, VERAHUnter Anleitung Ihres Chefs natürlich, aber meistens fährt sie ohne ihn dort hin.
Bei meinem Besuch führt sie die Fußinspektionen der Diabetes- Patienten durch. Ungefähr 15 Heimbewohner sind das, die meisten dement, viele inkontinent, bettlägerig oder immobil. Das Ausziehen der Strümpfe dauert am längsten. Dann schaut sie sich die Füße an, fragt nach Schmerzen und Missempfindungen, misst das Vibrationsempfinden, tastet die Fußpulse und setzt in unklaren Fällen Ultraschall ein. Beim Anziehen wird noch nach Druckstellen in den Schuhen geschaut, die Socken werden bei Bedarf auf harte Nähte kontrolliert – fertig. Die ganze Aktion hat rund zwei Stunden gedauert. Zwischendurch ist noch Zeit, mit den Schwestern über aktuelle Probleme zu reden, nach Unterzuckerungen zu fragen, Angehörige zu begrüßen und Fragen zu beantworten. „Es kommen vier oder fünf weitere Hausärzte in unser Heim“, berichtet die Pflegedienstleiterin. „Aber die anderen machen die Untersuchungen nicht so gründlich“, erklärt sie mit Blick auf das letzte Paar nackter Füße an diesem Morgen, „die haben ja auch nicht so eine spezialisierte Schwester“.

VERAH02

Ein anderer VERAH-Besuch fand in Bremen statt. Dort durfte ich Karin auf ihrer Hausbesuchsrunde begleiten. Ganz unterschiedliche Patienten. Hier ein Gespräch über den Umgang mit Notsituationen und darüber, dass die pflegende Tochter auch einmal Urlaub machen möchte. Dann ein Medikamenten-Check, beim nächsten Patienten ein Geriatrisches Basis-Assessment, schließlich ein Gespräch über das Sterben von Angehörigen und der vorsichtig vorgetragene Rat, ein Trauercafé zu besuchen. Während der Hausbesuchsrunde wird alles dokumentiert, anschließend folgt das Gespräch mit dem Arzt.IMG_1171
Die PraCMans habe ich leider noch nicht in Aktion erlebt. Sie machen wohl auch selten Hausbesuche, stattdessen wird regelmäßig mit chronisch kranken Patienten telefoniert. Das Ziel ist klar: die Ärzte werden entlastet und die Patienten sollen so gut versorgt werden, dass sie so selten wie möglich in die Klink kommen. Das ist gut für die Krankenkassen, weil es Geld spart – einerseits. Wer sich nämlich andererseits mit den VERAHs und den alten Patienten unterhält, der weiß, dass sie nicht zum Geldsparen unterwegs sind. Niemand möchte gerne ins Krankenhaus. Ganz besonders dann nicht, wenn der betagte Mensch das als ersten oder als weiteren Schritt in Richtung Tod begreift.

Ich glaube, deshalb sind die VERAHs so gerne gesehen: Sie helfen dabei, dass Patienten zu Hause leben können.

Auschra

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